The Making of

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Ich schreib nur wie es ist: Als ich mein Journalistenvisum beantragt habe, musste ich zum Konsulat in der Clayallee in Berlin. In den imposanten Zaun war ein Kabuff eingebaut, auf der einen Seite des Zaunes ging die Tür rein, Sicherheitscheck, auf der anderen Seite wieder raus und rein ins Konsulat.
Ich kam an und musste am Fuße der Treppe warten, bis ich hochgerufen wurde und der Sicherheitsmann die erste Tür per Summer öffnete. Weit kam ich nicht, denn ich hatte das Kleingedruckte überlesen und einen Rucksack dabei. “Verboten”, sagte der andere Sicherheitsmann, der eine Frau war. “OK, dann lass ich den so lange hier liegen?” Na, also, das geht ja sowas von gar nicht, “big brother is watching you, me and my job”, sagte die Frau und zeigte auf allerlei Kameras. “Aber lassen sie mich ihnen einen Tip geben: an der Currywurstbude an der U-Bahnstation könnte ich den Rucksack vielleicht abgeben”.

Die Die Curry-Wurst-Frau war knorke, wusste natürlich sofort um was es ging, schließlich war ich nicht der erste Taschen-Verpeiler.
Zurück am Check wird meine Jacke gescannt. “Ach, ein mp3-Player?” Nein, also das geht auch nicht. Im Hintergrund sehe ich kleine Schließfächer, geradezu gemacht für kleine mp3-Player. “Nein, das geht wirklich nicht, da verliere ich meinen Job.” Gut, dann geh ich kurz raus und schmeiss den mp3-Player ins Gebüsch und hol ihn nachher wieder da raus, zur U-Bahn-Station ist´s ja schon ein bisschen weit. “Tja, wenn sie Lust haben, dass ein Bombenräumkommando kommt und den mp3-Player entschärft… Das kostet einige tausend Euro, so ein Bombenräumkommando…” Also bin ich noch einmal zur Currywurstbude gelaufen.

Als ich drin war, habe ich den Dokumenten Pre-Check bestanden und konnte bald zum Dokumenten-Eigentlich-Check. Dann wurden mir alle zehn Fingerabdrücke genommen, die Frau an dem Lesegerät war begeistert: “Wow! sehr schöne Fingerabdrücke, wirklich toll!” Das alles passierte in einem Raum, ähnlich wie beim Amt, viele Wartestühle und fünf Schalter. Erster Schalter Dokumenten-Check, zweiter Schalter Finger-Check. Ich setzte mich wieder hin und wurde nach wenigen Minuten in diesem gleichen Raum zum dritten Schalter zum Interview gerufen. Dass ich beim Humanglobalen Zufall arbeite ließ der Interviewer durchgehen, aber wichtiger schien die Frage, ob ich wirklich ich bin. Und so wählte er per Zufallsgenerator einen Finger aus und checkte gegen, ob ich nicht in drei Minuten im gleichen Raum, in dem ich die best online casino Fingerabdrücke und meinen Pass abgegeben habe, unter 30 Augenpaaren und big brother meine Identität gewechselt habe. Habe ich nicht, ich hab das Visum bekommen.

Am Flughafen wurde ich, während ich in der Schlange zum Gepäck-Check-In wartete, zu eben diesem Gepäck befragt. Reisepass, Reiseziel, eine Hotelbestätigung? Das macht die Sache leichter. Konferenz? Bestätigung? Sprengstoff dabei? Dinge in der letzten Zeit geschenkt bekommen, die im Gepäck sind? Sämtliche technischen Geräte auflisten. Welche erst kürzlich gekauft? Wo? Wozu diese Fragen? Sehen sie, dass ist wie im Straßenverkehr, da müssen auch Regeln eingehalten werden, da halten sie ja auch freiwillig an einer roten Ampel. Und, ach, immer diese Diskussion, sie müssen diese Fragen nicht beantworten, kein Problem, dann können sie aber leider auch nicht mitfliegen.

Homesecurity-Immigration in New York, Kennedy-Flughafen, übrigens ziemlich heruntergekommen. Officer kaut Kaugummi mit einer Amplitude von mindestens fünf Zentimetern, schmatzt und ist sehr cool. Was das denn hier soll auf dem Immigrationszettel, Herkunft “D”? Was ist denn D? Das kann ja alles heißen, Denmark zum Beispiel, sagt er. Äh, nee, D ist die internationele Kennung für Deutschland, die für Dänemark ist DE, denk ich, trau es mich aber nicht zu sagen, hab keine Lust auf Redaktionssitz in Guantamo.

Dann von New York nach Boston. Ich stehe eine halbe Stunde zum Handgepäcks-Check-In an, der Pre-Check-Officer entdeckt “ssss” auf meiner Bordkarte und sagt in einem Singsang, als hätte ich an der Losbude “Freie Auswahl” gezogen: “You have been selected for the special security check! (Congratulaions!) ” Oh!, great!, thank you!

“Please step over there”, sagt der nächste Officer sofort, als er die vier “s” sieht. Ich muss in einem Glaskabuff warten bis die Tür zum Analyse-Areal aufgeht. Nach Intensiv-Abtastung streicht der Mann mit einem Papier über meine Schuhränder und den Rucksack und steckt das Papier in einen Analysator. Dann durchsucht er Jacke und Rucksack bis auf das letzte Knopfloch. “Äh, Sir, was suchen sie eigentlich mit dem Papier?” “Thing you´re not supposed to have.” “Äh, Uranium for example?” “Just things you´re not supposed to have.” “Drugs? Explosives?” “Things you´re not supposed to know, please go.”

Ab dann bei jeder Zwischenlandung Special Security Check. Der beste war in Atlanta. Die Lage war eh angespannt, alle fünf Minuten kam die Durchsage, dass der Homesecurity-Level orange sei, also Obacht! Ich musste in eine telefonzellenartige Box, ich sollte mich einfach reinstellen und warten bis das grüne Licht erscheint. Was darin passieren würde, sagte mir der Officer nicht und während ich mich fragte, was passieren würde, machte es von allen Seiten ziemlich laut “Pfffft!” und ich wurde von vielen unsichtbaren Düsen mit Luft oder sonst einem geruchsneutralen Gas eingesprüht oder vielleicht sollten so verbotene Partikel von mir abgesprüht und detektiert werden. Das grüne Licht erschien zum Glück, nicht auszudenken, was los gewesen wäre, wenn ich mir irgendwo verbotene Partikel eingeheimst hätte…

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