Zaki Youssef, Kopenhagen

Taxi Takes Care

HGZ-Autorin Svenja Kleinschmidt schrieb (Dennis Buchmann postete):

Die Taxifahrer in Kopenhagen wollen alles wissen. Kaum war ich eingestiegen, schon bombadierte mich der fröhliche Mann aus Armenien mit Fragen zum Sinn meiner Reise nach Dänemark. Beim Stichwort Berlin warf Arman sofort jede deutsche Vokabel in die Fahrzelle, die er noch irgendwo in seinem Kopf fand. Journalisten findet er blöd, weil die ja sowieso nie die Wahrheit schreiben. Und Zaki, ja, von dem hat er schon gehört. „Der Rapper, oder? Der singt doch immer über Ausländer in Dänemark, richtig?” Naja. Fast. Jedenfalls war Arman sehr besorgt, dass die Blonde aus Berlin nicht plötzlich auf den falschen Weg gerät: wir fuhren durch eine Straße voller bunter kleiner Läden, ich fand sie schön, sie erinnerte mich an Neukölln. Aber sofort warnte er mich: „Neinnein, da solltest Du abends nicht hin, dort sind nur Nutten und Dealer.”
Vor dem Hotel öffnete ich die Autotür - und schon wieder entpuppte sich Arman als engagierter Lebensretter. „Achtung, Fahrradfahrer!” Und schon schossen drei Dänen auf ihren Rädern an mir vorbei. „Die haben hier mehr Rechte als alle anderen”, schimpfte der bisher so höfliche Taxifahrer.
In Kopenhagen regieren die Räder. Auch wenn man Anarchie aus Berlin gewohnt ist - die Gefahr, von einem Zweirad in Kopenhagen überfahren zu werden, ist exponentiell höher, als unter ein Auto zu geraten. Die Wege für Radler sind gerne zwei Meter breit und teils knallblau eingefärbt. Es wird nicht geklingelt, es wird nicht umkurvt - wer im Weg steht, ist halt selber schuld. Aber zumindest die Kopenhagener stehen auch nie im Weg, offenbar treten dort alle in die Pedale statt auf das Trottoir. Männer fahren Mountainbikes, Familien stecken ihre Kinder unter den Lenker: dort sitzen sie in kleinen Boxen und lernen, wie sie später die Touristen umnieten können - aus vorderster Front. Man kann ja nie früh genug anfangen mit allem. Zur Belohnung für all die körperliche Ertüchtigung gibt es an einigen Plätzen Schutzkäfige für das geliebte Gefährt: zweigeschossige umgitterte Parknieschen, wo die Räder angekettet und trocken auf ihren nächsten Einsatz warten.
Zaki ist das egal. Er geht zu Fuß. Immer. Und am ersten Tag passiert sogar das, was sich danach ins Gegenteil verkehren sollte: Zaki kam zu früh. Statt um acht stand er schon um sechs vorm Hotelzimmer und grinste. Ich weiß bis heute nicht, warum. Aber wer alles andere über Zaki wissen möchte: der Humanglobale Zufall Volume 3 löst beinahe jedes seiner Rätsel.

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