MC Gringo, Rio de Janeiro

Pinguin in Rio

Der Flughafen ist meistens der Ort, den man als erstes in einem fremden Land betritt. In Rio war die Stimmung dort äußerst gelassen. Ich bin kein US-Bürger und musste deswegen nicht mit Schikanen der Behörden rechnen (Brasilien hat, so weit ich weiß, als einziges Land die Chuzpe, auf die Grenzschikanen in den USA mit Grenzschikanen für die USA zu reagieren). Stress war ausdrücklich verboten, signalisierte ein Schild vor der Passkontrolle. Es war die kürzeste meines Lebens: ein gelangweilter Blick der Grenzbeamtin, ein Stempel, und willkommen im südamerikanischen Riesenland!keinstress.JPG

Wir hatten in einem Hotel in der Favela Pereira da Silva reserviert. Silvestre, wie die Favela kurz genannt wird, ist längst nicht so brutal, wie in anderen Favelas von Rio, wo die Gangster mit Maschinengewehren und Granatwerfern zu Werke gehen. Zwar wird auch Silvestre von Gangstern kontrolliert, aber die Drogendealer sind handzahm, nur einige von ihnen haben Pistolen.

Jedenfalls wartete der Taxifahrer auf uns. Fotograf Armin Smailovic und ich kommen aus der Schleuse und da steht einer mit einem Stück Pappe und den Worten Dennis Buchmann darauf, das „mann“ nach unten gebogen, weil es kaum noch Platz findet. Ich gebe mich zu erkennen, wir grüßen uns und „Pinguin“ wie er sich nennt, sagt, dass er noch schnell jemanden suchen muss, da fährt nämlich noch einer mit uns in die Silvestre. „Gut, wir warten draussen!“, sage ich und gucke Pinguin hinterher, der zu einer anderen Gate geht. Vor der Tür ist es warm, aber nicht heiß.

Nach 20 Minuten kommt Pinguin (auf dem Foto in auf einem der Hotelbalkone) piguin.JPG zurück und sagt, dass er den anderen nicht finden kann. Er zeigt mir die andere Seite seiner Pappe und da steht „Armin Smailovic“.

Darüber nachzudenken, wie blöd man eigentlich sein kann, macht nur Kopfschmerzen. Ich habe für zwei Personen in dem Hostel in Silvestre Zimmer gebucht, die beide mit der gleichen, meinen Kreditkarte bezahlt wurden. Ist also wahrscheinlich, dass Smailovic und Buchmann zusammen anreisen. Außerdem habe ich in einer Mail für uns beide die Ankunftszeit bestätigt. Und als dann zwei sich unterhaltende Typen aus der Schleuse kamen und einer sagte, ja, ich bin Dennis Buchmann, da hat sich Pinguin schnell auf die Suche nach dem anderen gemacht, noch bevor Smailovic sich vorstellen konnte. Warum Pinguin an einem anderen Gate nach Smailovic suchte? Vielleicht kommen die beiden ja zur gleichen Zeit aus Paris in Rio an? In zwei gleichen, aber doch verschiedenen Fliegern?

Pinguin sagte also, dass er Smailovic nicht finden könne, und ich sagte ihm, dass er neben mir stehe. Schön, also los. Mein Spanisch reichte nicht für Pinguins Portugisich, also konnte ich die Sache nicht mit ihm diskutieren. Aber geschnallt hat er’s, glaube ich, bis heute nicht. Was wiederum kein Widerspruch dazu ist, das Pinguin ein herzensguter und freundlicher Mensch ist. Nur ein wenig verpeilt eben.

In der Favela angekommen sagen wir den Gangstern am Eingang, dass wir Gäste des in der Favelinha sind, dem einzigen Hotel, dem überhaupt einzigen Hotel in irgendeiner Favela, und schon sind wir willkommen. Ein paar Stufen weiter unten wartet schon MC Gringo in seinem Apartment (Auf dem Foto in der Mitte zwischen zwei Amigos). gringocrew.JPGDer auf portugiesisch rappende Schwabe ist ein Star in den Favelas von Rio. Baile Funk heißt die rohe Musik, die an den Wochenenden auf den typischen Favaela-Beton-Bolzplätzen bolzplatz_.JPGdie Mädels zum wackeln bringt und nicht nur deswegen auch die Jungs erfreut. Meistens geht es beim Baile Funk um den Alltag in den Favelas, also um rustikalen Sex, Drogen und Schießereien. Wie MC Gringo Anspruch in den Baile Funk bringt? Das erzählt die erste Geschichte von Humanglobaler Zufall Vol. 3!

Ein Kommentar zu “Pinguin in Rio”
  1. Pinguin Jumpstyle sagt am 25.11.2008 um 2:45 pm :

    […] schon richitg Spaß an der geilen Tanzrichtung des Jumpstyles! Weitere Infos und vieles mehr zu den Pinguinen, die auch schon sehr witzig sind und einen lustigen Text sind auch sehr interessant. bookmark to: […]

Kommentar schreiben