Was wird gehen? - Zukunftsforscher CD Jia

Nach China? Nicht jeder!

Die sechste Geschichte sollte auf den letzten Drücker - am letzten Wochenende vor Redaktionsschluss - in Shanghai und Hongkong recherchiert werden. Gestern hatte der Protagonist zugesagt, heute musste es passieren, in dem Tempo etwa. Wir hatten sogar eine bekannte Journalistin in China, doch die durfte nicht einfach nach Shanghai oder Hongkong. Denn als offizielle Journalistin hat sie eine offizielle Reiseroute bei den Behörden angemeldet und von der durfte sie nicht abweichen, ohne die Behörden vorher um Erlaubnis zu fragen. Also wollte ich flink nach China, es gibt ja ein Touristen-Express-Visum, das kann man bis 11 Uhr beantragen und dann um 12 abholen. Wenn man denn eine Hotel- und eine Flugbuchung vorweisen kann. Ich buchte also Flug und Hotel und sagte am Schalter der chinesischen Botschaft in Berlin: Express bitte, mein Flug geht in fünf Stunden. “Wir können ihnen frühestens Freitag ein Visum ausstellen, kein Express”, sagte der junge Botschaftsbeamte. Es war Mittwoch.

Man musste auf dem Antrag seinen Beruf eintragen. Pastor, oder Geschäftsmann, oder sonstwas oder Journalist. Ich war ehrlich und kreuzte letzteres an, schließlich waren die Hotel- und Flugbuchungen auf die Axel-Springer-AG adressiert, das hätte jeden noch so trotteligen gelben Drachen stutzig gemacht. Also kein Express-Visum. “Warum?”, fragte ich. “Weil wir kein Express-Visum ausstellen können”, sagte der Botschafts-Boy. “Ja, schon klar, aber warum kann ich kein Express-Visum bekommen?” fragte ich. “Nein, weil wir erst Freitag ihnen ein Visum frühestens ausstellen können”. “Ach so, ja, klar, aber warum? Vielleicht weil ich Journalist bin?” “Nein, leider können wir kein Express-Visum ausstellen”. Puh, stoisch war er vom Feinsten der Herr, ohne Lächeln, ohne Böse-Gucken. Also, noch einmal: “Liegt es daran, dass ich Journalist bin, dass ich kein Express-Visum bekommen kann?” Wir spielten uns noch drei weiteren Frage-Antwort-Pässen dieser Art zu, es erinnerte stark an dieses frühe Computer-Spiel Pong, nur dass der Ball immer genau waagerecht hin- und herpongt. Doch schließlich ließ er sich erweichen: “Weil wir nicht allen Berufsgruppen ein Express-Visum ausstellen können”, sagte er. Ich wertete das als Teilsieg und zog ab. Komisch, diese diktatur-frisierten Automaten. Das Wort Journalist wurde bei ihnen irgendwie maschinell gestrichen, und es funktioniert.

Jedenfalls habe ich zum Glück noch einen Autor in Shanghai auftreiben können. Der Fotograf aus Deutschland hatte ein Jahresvisum, besorgte schnell einen Babysitter und machte sich am nächsten Tag auf, zum Flughafen. Doch das Jahresvisum beeindruckte die Fluggesellschaft wenig, ohne eine persönliche Einladung könne man nicht in den Flieger. Fluggesellschaft mit Konsular-Ambitionenen? Ich rief schnell bei dem Protagonisten in Shanghai an, der schickte flink eine E-Mail ans Mobil-Telefon des zitternden Fotografen am Berliner Flughafen und dann hats geklappt. Ist eine schöne Geschichte geworden! Siehe Humanglobaler Zufall Volume 2, ab 7. Juli am Kiosk…

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