Max Graef, Kamerun

Kamerun, Koffer, Kaos


img_0073.JPGWir landeten in Douala, fingen an zu schwitzen, zeigten Gelbfieberimpfung und Visum - und schon waren wir in Kamerun. Das ging schnell.
Aber dann kam die Sache mit den Koffern und dem Zoll. Unsere Maschine war die einzige auf dem Flughafen, doch sie war voll, und nun entleerten sich hunderte von Menschen in eine viel zu kleine Halle. Hier gab es drei Kofferbänder, zwei normale, die die Koffer im Kreis laufen lassen und eins, das sie einfach nur ausspuckte, auf den Boden, wo sich ein Kofferberg auftürmte. Es gab nur einen Flug, doch alle drei Kofferbänder spuckten Koffer aus. Es war eng und es war heiß. Draußen flogen ein paar Reiher vorbei, drinnen herrschte das Chaos. Man konnte nicht alle drei Bänder überblicken, und von einem zu nächsten brauchte man ein paar Minuten durch die nassen Massen. Es war ein Glücksspiel. Schließlich hatten wir alles beisammen, auch Max Graef, der Radioingenieur, von dem die 4. Geschichte in Humanglobaler Zufall Vol. 3 handelt. Er hatte zwei Antennen, Laptops und andere Geräte in Pappröhren und Kartons. Es gab zwei Ausgänge, „Etwas zu verzollen” und „Nichts zu verzollen”. „Nichts zu verzollen” wurde seit langem nicht mehr benutzt. Davor standen alte, verstaubte Schreibtische auf denen Hüllen alter Monitore standen. Es sah aus wie eine Straßensperre von Beamten. Jedenfalls wollten wir keine tausende von Kamerun-Franc Zoll bezahlen für die halbe Radiostation, die Max dabei hatte. Als er vor zwei Jahren das erste Mal hier war, waren immerhin umgerechnet über 1500 Euro fällig. Die Summen werden hier nach Gefühl berechnet, aber drei Laptops allein fühlen sich für die Herren vom Zoll schon sehr teuer an. Max ging flink hinaus, während ich mit dem Fotografen Axel Grünewald in an der Schreibtisch-Barrikade wartete. Als Max wiederkam, hatte er einen Hoffnungsträger dabei: Einen Brief vom Bürgermeister von Nkambe, unserem Zielort, der den obersten Zollchef höflichst
und repektvoll („Dear Chief of Customs, Sir, I respectfully have the honor to) darum bittet, die Ausrüstung zollfrei ins Land zu lassen, da sie der Gemeinschaft von Nkambe dient. Der Zollchef hatte einen guten Tag, er holte ein Stück blaue Kreide heraus und markierte damit die Kartons. Und so, mit dieser Chef-Markierung, gingen wir unbehelligt an den Zollbeamten vorbei. Was so eine Radiostation
in einer Gegend wie Nkambe für Auswirkungen hat, lesen Sie in Humanglobaler Zufall Volume 3…

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