WELCOME TO ISRAEL heißt es in großen silbernen Lettern im Foyer des Flughafens. Der Humanglobale Zufall ist also nun in dem Land, das für (zu) viele Religionen viele heilige Orte aufweist. Doch Glaube schützt vor Kontrolle nicht. Und so geht es schon nach wenigen Sekunden auf israelischem Boden mit dem ersten Verhör los. Ich werde aus der Menge rausgefiltert, mein Pass wird erstmal konfisziert. Ich muss in einer Sitzecke warten, gemeinsam mit zwei anderen Personen, die nicht weniger gefährlich oder gruselig aussehen als ich. Man lässt mich warten. Fünf Minuten gehen ins Land (warum können Minuten eigentlich einfach so ins Land gehen, aber ich nicht?) Zehn Minuten. Fünfzehn Minuten.
Dann werde ich aufgefordert, an das Pult zweier Kontrolleure zu treten. Der eine hält meinen Pass in der Hand, schaut mich an und fragt: „Tobias?“ Ich sage: „Yes.“ Ich denke: Wer sonst, Du Knallkopf. Und dann geht es los: Was will ich hier? Und warum? Und wo genau? Und wen kenne ich? Und hat mir jemand etwas mit gegeben? Und wird mir jemand etwas mitgeben? Und so weiter und so fort. Vielleicht sollten sie einfach ein Buch auslegen, in das man rein schreibt. So wie früher in der Schule diese Meine-Freunde-Dinger. Lieblingspolitiker? Jassir Arafat. Mööp. Falsch. Mitkommen!!!
Na ja, mein erster Ärger legt sich irgendwann nach dem harten Verhör und einem weichen Falafel-Sandwich. Schließlich dient die Prozedur ja einer guten Sache, nämlich der Sicherheit. Und die wird groß geschrieben in diesem Land. Allerorts Militär. Auch hübsche, junge Frauen mit großen Waffen. Hier gilt die Wehrpflicht für alle. Und überall Kontrolle. Eine israelische Inlandsbusfahrt ist in etwa so wie ein Langstreckenflug aus Deutschland: Gepäckkontrolle, mitunter lange Wartezeiten, skeptische Blicke bei bärtigen Mitfahrern arabischer Abstammung.
Der erste, etwas entspanntere Zeitgenosse, den wir dann in Jerusalem treffen, ist unser Taxifahrer. Wir dürfen ihn Abu nennen (Arabisch für Vater), er ist heute zum siebenundzwanzigsten Mal Großvater geworden, muss wieder einmal das Kinderbett spendieren und ist deswegen vermutlich auch nicht der billigste Taxifahrer der Region. Abu spricht einige Brocken Deutsch. Seine Lieblingsphrase: „Alles klar“. Fortan ist alles immer alles klar.
Es geht aber kurioser. In Bethlehem fragt uns ein junger Verkäufer, wo wir denn herkämen. Deutschland antworten wir. Holprig sagt er: „Ich liebe Bratkartoffeln.“ Er wiederholt den Satz einige Male, denn wir lachen uns schlapp. Es sind die einzigen deutschen Wörter, die er drauf hat. Ja, ja - die Bratkartoffeln und die Deutschen. Und was ist noch typisch Deutsch?
Adventskalender. Natürlich. Und die liegen in Jerusalem in der Nähe der Altstadt in der Sonne, mit deutschen Buchstaben und werden verkauft: Altware 2007 oder Neuware 2008? Auf jeden Fall ist der Juli ein merkwürdiger Monat, um Adventskalender zu kaufen.
Wir sind aber nicht hier wegen Bratkartoffeln oder Adventskalender. Wir besuchen Ziad Abbas im Flüchtlingslager Dheisheh im Westjordanland. Er hat dort ein Kulturzentrum aufgebaut. Und was Ziad Abbas so treibt, das könnt Ihr dann im Humanglobalen Zufall Volume 3 lesen.

