Leser-Zufälle

Im Herzen von Münster…

Von Tobias Romberg, formerly Schreiter, Münster.

Im Herzen von Münster, am historischen Prinzipalmarkt, feiern die Westfalen gerade Weiberfastnacht und ein Kardiologe behandelt einen jungen Mann, den er zwei Jahre nicht gesehen hat. Der junge Mann ist Journalist, hatte vor fünf Jahren mal eine Herzmuskelentzündung, die vollständig auskuriert ist, und lässt sich regelmäßig untersuchen, auch weil seine fürsorgliche Mutter ihm stets in den Ohren liegt. Schließlich habe er schon genug Raubbau mit seinem Körper getrieben, so die Meinung der Frau Mama aus dem Rheinland.

Der Kardiologe und der Journalist pflegen ein herzliches Verhältnis. Die Pumpe ist gesund, die Laune gut. Man spricht über Münster - dort wohnt der Kardiologe, studierte einst der Journalist. Und über Osnabrück - dort lebte der Kardiologe acht Jahre, wohnt heut der Journalist. „Sie können ihrer Mutter sagen, dass alles in Ordnung ist“, resümiert der Kardiologe, der die Mutter online casino nicht kennt, wohl aber die mütterliche Sorge.

Am nächsten Tag hält ein Intercity in Münster. Nicht allzu ungewöhnlich. In einem Abteil sitzen zwei Schwestern, 61 und 58 Jahre alt. Die jüngere kommt aus dem Rheinland. Kiel ist das Ziel, ruhige Tage an der Ostsee. Der Kardiologe und seine Frau steigen zu. Bei den beiden Schwestern sind noch zwei Plätze frei. „Dürfen wir?“ „Aber bitte.“

Die Deutsche Bahn ist mitunter teuer, oft verspätet und Small-Talk-Areal Nummer Eins. So beginnen auch die Schwestern und der Kardiologe nebst Frau: Wo man denn hinfahre und wo man eigentlich herkomme. „Ach, Sie kommen aus Münster? - Da hat mein Sohn studiert. Gestern war er noch mal dort. Schöne Stadt“, sagt die jüngere Schwester, und: „Jetzt lebt er in Osnabrück.“ „Ach Osnabrück“, sagt der Kardiologe, „das ist ja lustig, da haben wir lange gelebt.“ Später die jüngere Schwester: „Mein Sohn Tobias ist Journalist.“ Der Kardiologe: „Heißt ihr Sohn mit Nachnamen Schreiter, dann war er gestern bei mir.“ Großes Erstaunen: the next Uri Geller? Ein Mentalist aus Münster?“ Es folgt die Erklärung, Gelächter, Heiterkeit.

In Hamburg verabschieden sich Kardiologe und Frau. Die jüngere Schwester greift zum Handy und schreibt eine SMS an den Sohn: „Ich habe gerade Deinen Kardiologen getroffen. Im Zug. Der ist ja super nett.“ Der Journalist ist irritiert.

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