Sao Paulo ist die groesste Stadt suedlich des Aequators. Zwar gibt es hier keine Umlaute, aber so viele Autos und Busse, dass zumindest der Tourist staendig Aeh! und Oeh! denkt. Obwohl ich ja kein Tourist bin, sondern mit Fotograf Armin Smailovic fuer die zweite Ausgabe recherchiere. Ueber eine Kunsttherapeutin, die mit Fluechtlingen arbeitet. ![]()
Morgen leg ich mich selbst auf die Couch, und schuette mein Herz auf ein Blatt Papier. Zusammen mit 139 weiteren Edel-Seiten liegt es dann am 7. Juli gebunden im Humanglobalen Zufall Vol. 2 am Kiosk.
Jedenfalls heizen die Busse durch die Strassen und roehren an den Leuten auf dem Buergersteig vorbei, dass einem die Ohren bluten. Die Abgase stinken nur temporaer, da sie sich schnell nach oben verziehen und die Dunstglocke ueber der Stadt naehren. Eine Stadt, so weit wie der
Horizont. Der Blick von dem Copan-Hochhaus von Oscar Niemeyer (der auch die Hauptstadt Brasilia entworfen hat und Volksheld ist) zeigt Wolkenkratzer so weit das Auge reicht. 360 Grad, Wolkenkratzer und Hochhaeuser, grau und beige unter der voellig homogenen Smogwolke (in einem etwas klassischerem Grauton). Weisse Wolken waren keine zu erkennen. Hier und da ein Hubschrauber und ein paar Duesenflieger.
Aber obwohl Sao Paulo so ein Moloch ist, kann man unbesorgt durch die Strassen gehen. Zumindest im Zentrum, das etwa so gross ist wie das Saarland (Uebertreibung). In den Rand- und Rotlichtgebieten kann einem zumindest im Auto nicht viel passieren. Das Gesetz wurde geaendert und so darf man im Dunkeln auch bei Rot ueber die Ampel fahren (wenn nichts kommt). So wurde die Car-Jacking-Rate gesenkt.
Obwohl die Strassen sauber sind: fuer die beiden Fluesse Rio Tiete und Rio Pinheiros ist es aus. Faehrt man ueber eine der Bruecken, die sie ueberspannen, kraeuseln sich die Nasenhaare vor Schreck. Der Gestank dieser biologisch toten und voellig verseuchten “Fluesse” ist atemberaubend. Die Regierung redet von Renaturierung, aber der meterdicke Schlamm in den Flussbetten ist giftiger als radioaktives Arsen und so wird es wohl noch lange dauern, bis wieder ein Fisch in den Rios schwimmt und sei es erst einmal nur einer mit 3 Augen.

