HGZ-Autor Fredy Gareis schrieb (Dennis Buchmann postete):
Heathrow ist ein Monster von Flughafen. Hat gefühlt so viele Terminals wie Frankfurt Stadtteile. Und ist im Zuge der Terroranschläge zur Hochsicherheitszone geworden. In den Schleusen muss man mittlerweile sogar die Schuhe ausziehen, und wenn man dem Personal tief in die Augen schaut, sieht man da auch den Wunsch nach Hose und Hemd. Für Flüge innerhalb Vereinigten des Königreiches muss man sich nun extra fotografieren lassen - wer nicht kooperiert bleibt am Boden.
Also schnell raus hier. Was gar nicht so einfach ist, siehe Anfang. Der Paddington Express Zug in die Stadt kostet 15 Pfund und fällt trotzdem fast auseinander. Draußen am Rand ist Lodon glatt betoniert und abweisend; in der U-Bahn ist es hektisch. Obwohl die nächste Bahn in fünf Minuten fährt, rennen einen die Leute atemlos um. Waschsalonluft, eng und niedrig die Wände. Und immer wieder tönt es aus den Boxen: “Mind the Gap”. Ich muss mich unwillkürlich fragen, wie viele Leute in diese Lücke gefallen sind, einen Fuß oder Arm verloren haben, vielleicht sogar ein ganzes Bein oder vollkommen zwischen einfahrender Bahn und dem Beton zerquetscht wurden? Vielleicht dachten die Londoner Verkehrsbosse aber auch nur: Hhm, einprägsamer Spruch. Könnte so was wie eine Marke werden.
Vom Hotel nehmen Fotograf Esad und ich ein Taxi. “North Woolwhich, bitte”. “North What?” Wir erklären, aber der Fahrer hat keine Ahnung, wo wir hinwollen. Das ist im Osten sagen wir, am Stadtflughafen. Nie gehört, sagt der Fahrer und will eine Postleitzahl. Esad und ich schauen uns an. Unbekannter Stadtteil? Gutes Zeichen.
Wir fahren an der Themse entlang und ich sehe zum ersten Mal das neue Riesenrad, das “London Eye”, den Millenium Dome, der aussieht, als wäre er noch lange nicht fertig, die Docks. Alles fesch und schick, aber bald werden die Häuser flacher und die Satellitenschüssel zahlreicher.
Luke Dowdney, den Gründer von Fight For Peace, treffen wir erst in paar Stunden. Wahrscheinlich ein harter Brocken: Telefongespräche wollte er immer so kurz wie möglich halten, immer ruhelos, mit dem Wunsch nach Distanz. Wollte uns fast keine Zeit einräumen - vielleicht sieht er uns als Störfaktor. Also haben wir uns auf das erste persönliche Gespräch vertagt. Wollen nett, aber bestimmt ihm noch mehr aus dem Kreuz leiern. Ob uns das gelungen ist, und was es genau mit Luke und Fight for Peace auf sich hat, lest ihr im Vol. 3.
