Blogeinträge

Kopfloser Kicker

costarica-1192.jpgAm liebsten gingen wir in die Kneipe “La Gondola”. An der Wand war in hellblauen und weißen Farben Venedig mit seinen Gondeln nachgemalt, neben den Dartscheiben hingen Biertafeln vom Hofbräuhaus und Tegernseer Hell. Man konnte Tischtennis oder Billard spielen - und sogar Kicker. Interessant dabei: Der Torwart der einen Mannschaft hatte keinen Kopf, die andere Mannschaft dafür drei Verteidiger.

Bilder

costarica-1261.jpgWas für ein Bild im Hotel “Aranjuez” in San José

Was ist denn das?

costarica-1201.jpgWas ist denn das?

Wie ich lernte, Bob Marley zu hassen

costarica-0731.jpgWir dachten, wir sind im Paradies. Ein nettes Hotel, nur zehn Schritte zum Strand, dort Palmen, weißer Sand. Lange hatten wir uns nicht entscheiden können, zu welchem Strand wir fahren sollten. An der Busstation in Liberia ließen wir die Ticketverkäuferin entscheiden. Sie schickte uns nach Playa Sámara.

Ich holte meine Badesachen aus der Reisetasche. Aus den Boxen des Surf-Verleihs neben unserem Hotel drang ins Hotelzimmer “Buffalo Soldier” von Bob Marley herüber. Ich legte mich an den Strand, während ich den Klängen von “No woman no cry” und “Exodus” lauschte. Ich ging zum Wasser vor, nun verfolgte mich “Could You be Loved”, das jemand in einer Strandbar in den CD-Player gelegt hatte. Auf dem Weg zum Abendessen kamen wir an Ständen vorbei, die Bob-Marley-Badetücher, Bob-Marley-CDs und Bob-Marley-Strandtaschen verkauften, während Bob Marley aus ihren tragbaren Rekordern sang. Im Restaurant lief keine Musik, in der Bierkneipe Bob Marley. Mal wieder “Buffalo Soldier”, mal wieder “Could You be Loved” und dann “Redemption Song”. Ich konnte nicht mehr verstehen, warum ich dieses Lied daheim manchmal auf Repeat gehört hatte.

Die armen Soldaten vom Flughafen in Atlanta

costarica-0101.jpgElf Stunden Flug von München nach Atlanta und jetzt drei Stunden Aufenthalt in der Klimaanlagenluft im Flughafen, bis es nach San José weitergeht. Wir sind überanstrengt, fast verzweifelt, lassen uns zu einem Kaffee bei Starbucks hinreißen und setzen uns auf die Bänke. Zwischen zahlreichen US-Soldaten, die wir nach ein paar Schluck Kaffee realisieren. Glasig schauen einige ins Leere, manche spielen mit starrem Blick am Computer, einer liest ein Pornoheft, ein junger Schwarzer ist mit seinen zwei Kindern und seiner Frau da, die je näher die Verabschiedung naht, immer häufiger in Tränen ausbricht. Ich habe Mitleid. Mit Soldaten. Und irgendwie fühle ich mich jetzt nicht mehr so fertig, es hätte einen schließlich auch weit schlimmer treffen können. Nach zwei Stunden stellen sich die Soldaten zum Check-in an. Es geht nach Leipzig, wohin sie danach müssen, will ich lieber gar nicht wissen.

Hier bloggt die Aushilfe

Anruf am Montag morgen, Dennis am Apparat „Moooin, hast Du Zeit und Bock, bei mir ne Woche auszuhelfen und die zeitraubenden Kleinarbeiten zu erledigen… ab morgen?!?“ „Klar, warum nicht… hab eigentlich keine Zeit, weil ich meine Masterarbeit schreibe… aber die Zeit nehme ich mir dann einfach mal“ und nicht mal 24 Stunden später, sehe ich mich im 6ten Stock des Axel Springer Hauses sitzen, Schreibtisch an Schreibtisch mit dem Herrn Global Editor, den ich sonst eher als Kneipensportler kenne. Kickern und Arbeiten weisen aber Parallelen aus… der eine hat den undankbaren Job, die gegnerischen Bälle zu halten, während der andere durch versenken der Bälle brilliert und das Team zum Sieg verhelfen kann. Beim Kickern bin ich derjenige der hinten spielt und so ist es natürlich auch in dem Heimstadion … entschuldigung, Büro von Dennis auch. Die Rolle gefällt mir und werde also eine Woche lang versuchen, die Bälle nach vorne in den Lauf zu spielen. Es ist eigentlich Büroarbeit wie überall anders auch… okay, die Leute sind ein wenig schicker und die Kaffeeflatrate wird durch zusätzliches Obstangebot und einen gefüllten Kühlschrank aufgehübscht…. Dennoch gibt es weitere kleine aber feine Details, die zeigen, dies is mehr als ein schnöder Job zum Geldverdienen. Während in einem Ingenieurbüro die Superhits der 80er und 90er den Tag rauf und runtergedudelt werden und wenn man es noch nicht durch jahrelange Abhärtung gewohnt ist, sich die Frage stellt, ob das nicht in Ohrkrebs endet… nein, in der kleinen Oase im Springer Haus ist es nicht unüblich, dass der Fuß zu Pennywise wippt oder die Arbeit auf den Wellen zu dubby Sounds locker leichtfüßich von der Hand geht… es ist aber auch einfach nicht genügend Zeit da, um sich über schlechte Musik oder schlechten Kaffee aufzuregen… Der Global Editor ist immer in Action und man sieht, dass der ehemalige Kneipensportkollege auch am Schreibtisch eine gute Figur macht…. Mit dem selben Elan, mit dem selben Grinsen und der selben Souveränität wie in so mancher Spelunke… und man sieht die selben Gesichtsausdrücke, wenn Leute kommen und sich über ein schönes Spiel am (Schreib-)tisch gefreut haben oder wenn sie mal wieder souverän und entspannt ausgetänzelt wurden und mit gesenkten Kopf vom Tisch gehen müssen. So wünscht sich jede Sekretärin einen Chef, der die Bälle nicht vertendelt und jeder Torwart einen Stürmer, der die Spiele souverän nach Hause bringt! Herr Global Editor, rufen sich mich immer wieder an, wenn der Kasten saubergehalten werden muss… es war mir eine Freude !

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Ich schreib nur wie es ist: Als ich mein Journalistenvisum beantragt habe, musste ich zum Konsulat in der Clayallee in Berlin. In den imposanten Zaun war ein Kabuff eingebaut, auf der einen Seite des Zaunes ging die Tür rein, Sicherheitscheck, auf der anderen Seite wieder raus und rein ins Konsulat.
Ich kam an und musste am Fuße der Treppe warten, bis ich hochgerufen wurde und der Sicherheitsmann die erste Tür per Summer öffnete. Weit kam ich nicht, denn ich hatte das Kleingedruckte überlesen und einen Rucksack dabei. “Verboten”, sagte der andere Sicherheitsmann, der eine Frau war. “OK, dann lass ich den so lange hier liegen?” Na, also, das geht ja sowas von gar nicht, “big brother is watching you, me and my job”, sagte die Frau und zeigte auf allerlei Kameras. “Aber lassen sie mich ihnen einen Tip geben: an der Currywurstbude an der U-Bahnstation könnte ich den Rucksack vielleicht abgeben”.

Die Die Curry-Wurst-Frau war knorke, wusste natürlich sofort um was es ging, schließlich war ich nicht der erste Taschen-Verpeiler.
Zurück am Check wird meine Jacke gescannt. “Ach, ein mp3-Player?” Nein, also das geht auch nicht. Im Hintergrund sehe ich kleine Schließfächer, geradezu gemacht für kleine mp3-Player. “Nein, das geht wirklich nicht, da verliere ich meinen Job.” Gut, dann geh ich kurz raus und schmeiss den mp3-Player ins Gebüsch und hol ihn nachher wieder da raus, zur U-Bahn-Station ist´s ja schon ein bisschen weit. “Tja, wenn sie Lust haben, dass ein Bombenräumkommando kommt und den mp3-Player entschärft… Das kostet einige tausend Euro, so ein Bombenräumkommando…” Also bin ich noch einmal zur Currywurstbude gelaufen.

Als ich drin war, habe ich den Dokumenten Pre-Check bestanden und konnte bald zum Dokumenten-Eigentlich-Check. Dann wurden mir alle zehn Fingerabdrücke genommen, die Frau an dem Lesegerät war begeistert: “Wow! sehr schöne Fingerabdrücke, wirklich toll!” Das alles passierte in einem Raum, ähnlich wie beim Amt, viele Wartestühle und fünf Schalter. Erster Schalter Dokumenten-Check, zweiter Schalter Finger-Check. Ich setzte mich wieder hin und wurde nach wenigen Minuten in diesem gleichen Raum zum dritten Schalter zum Interview gerufen. Dass ich beim Humanglobalen Zufall arbeite ließ der Interviewer durchgehen, aber wichtiger schien die Frage, ob ich wirklich ich bin. Und so wählte er per Zufallsgenerator einen Finger aus und checkte gegen, ob ich nicht in drei Minuten im gleichen Raum, in dem ich die Fingerabdrücke und meinen Pass abgegeben habe, unter 30 Augenpaaren und big brother meine Identität gewechselt habe. Habe ich nicht, ich hab das Visum bekommen. … weiterlesen

Aussergewöhnlich normal

Ich bin gerade in den USA, auf der AAAS-Konferenz in Boston, einer sehr grossen Tagung zur aktuellen Lage in der Wissenschaft. Dafür bedanke ich mich ganz unverblümt und herzlich bei der Robert-Bosch-Stiftung.

Die US-Amerikaner, im folgenden kurz Amis genannt, sind schon dufte Typen, allerdings sehr normal. Zumindest die auf der Konferenz hier. Sie sind so aussergewöhnlich normal, dass ein europäisches Gehirn bei Palavern gern mal in eine Art Lethargie verfällt, in eine Art Energiesparmodus. Inhaltlich ist zwar alles gut, aber charakterlich kommt nicht viel rüber, ausser Freundlichkeit und Nettigkeit und gutes Benehmen. Das lähmt etwas. Provokationen prallen nicht ab, sie werden in einem Pudding aus Freundlichkeit absorbiert. Aber wir sind hier ja auch nicht, um Freunde zu finden, sondern um Networking zu machen. Und das bedarf des Smalltalks, und in dieser Disziplin sind die Amis einfach unschlagbar. Auf den Konferenz-Partys schnacken sie beneidenswert hemmungslos wildfremde Leute an. Wie in einer brownschen Molekularbewegung treiben Sie so durch den Raum, prallen aneinander, reden kurz, tauschen Visitenkarten aus, treiben weiter, ganz unverbindlich. Dabei sind sie auf eine sehr professionelle Art und Weise normal. Ich schätze, das ist eine Buisiness-Normalität, die auch in anderen Ländern bei Meetings und Konferenzen vorherrscht. Also nix gegen die Amis. … weiterlesen

Polternde Frische

“New Orleans ist schräg, aber schön”, sagte mir einer im Lower 9th Ward. Dieses Viertel hatte der Hurrikan Katrina vor zwei Jahren nicht nur zerstört, sondern schlicht ausgelöscht. Bis auf die grauen Betonfundamente ist nichts mehr übrig. Schön ist das nicht, aber der junge Mann meinte wohl eher die Innenstadt und ihren Flair. Dort steppt der Jazz-Bär. New Orleans liegt im Bundesstaat Louisiana. Und der wird mit LA abgekürzt. Deshalb wiederum nennen die Leute in und um New Orleans ihre Stadt immer nur Nola.

Im French Quarter, dem Touristenmagneten, klappern Touri-Pferdekutschen durch die Gegend, und täglich gibt es Live-Jazz bis die Ohren bluten. Doch obwohl der ganze Zirkus auch kommerzgebeutelt ist, bleibt Nola frisch. Denn die Künstler bewahren die Stadt vor der amerikanischen Spießer-Lethargie. Es laufen Punks umher, und in ollen Lagerhallen dengeln die jungen Leute an ihren Skulpturen aus Müll: Trash-Art. Obwohl sich natürlich auch längst Pseudo-Popper-Punks rumtreiben, bleibt Nola authentisch. Kurz davor war ich in Boston, die Stadt ist sauber, geradeaus und bestimmt ein angenehmes Pflaster für Rentner: Schön und nicht anstrengend. In Nola dagegen ist das Leben herzhafter. Der allgemeine Rotz poltert durch die Hirnwindungen, das ist schon anstrengender als das ölige Boston. Aber dadurch ist es auch irrationaler und deshalb lebendiger.

Im Lower 9th Ward ist es aber noch ziemlich tot. Die Flut, die Katrina gebracht hat, spülte mit den Häusern auch die Bewohner weg. Die Helfer der Nicht-Regierungs-Organisation Common Ground Relief bauen hier Stück für Stück die Häuser wieder auf. Doch Häuser ohne Bewohner machen auch keinen Spaß, also besteht der wichtigste Teil der Arbeit darin, die Geflüchteten zu überreden, wieder nach Hause zu kommen. Das ist auch Robert Greens Mission. Der 52-Jährige telefoniert, bis die Ohren glühen. Über 200 Kontakte von seinen ehemaligen Nachbarn hat er gesammelt, doch bislang steht er noch allein auf weiter Flur, in seinem weißen Wohnwagen, den er wie alle Katrina-Opfer von der US-Regierung gestellt bekommen hat. Green hat den kompletten Horror durchgemacht. Als Katrina kam, flüchtete er mit seiner sechsköpfigen Familie auf sein Hausdach und während sie samt Haus umhertrieben, verlor er seine dreijährige Enkelin in den Fluten, keine Stunde später starb seine Mutter.

Dass die Regierung es nicht hinkriegt, den Opfern zu helfen, macht beim Anblick des lower 9th Ward einfach nur sprachlos. Die Demokraten von Louisiana verstehen sich nicht so gut mit der republikanischen Bush-Regierung. Green prangert auf einem Schild vor seinem Wohnwagen an: “Mr. Bush, bauen Sie New Orleans wieder auf, nicht Irak”. Ein freiwilliger von Common Ground, er heißt Will, braucht für seine Kritik keine Worte: Auf seinem T-Shirt ist Bush mit blutigen Vampirzähnen am Hals der Freiheitsstatue zu sehen …

Endlich: Gegrilltes Meerschweinchen

Ecuador ist ein gutes Land. Ich hab zwar nur das Dorf Mindo gesehen und ein wenig die Hauptstadt Quito, aber alle Ecuadorianer, die ich getroffen habe, waren freundliche, dezente und sehr angenehme Menschen. Kein penetrantes Gebettel, niemand wollte uns ungefragt etwas verkaufen.

In Mindo, dort, wo die erste Geschichte des ersten Heftes von Humanglobaler Zufall spielt, gab es einen interessanten Kontrast der Lebendigkeit. Wir kamen zum Karneval-Wochenende, die Touristen verstopften das 2500-Seelen-Dorf, überall war was los: Den reißenden Fluss ritten sie kreischend auf zusammengebunden Treckerreifen hinab (Tubing), über die Urwaldschluchten flogen sie, ebenfalls kreischend, an gespannten Drahtseile entlang (Canopy). Und als die Touristen am Montag das Dorf verlassen hatten, feierten die Mindenos auf ihre Art, touristenuntauglich. Mit Wasser fing alles an. Jeder wurde nass gemacht, dann kamen Mehl und Eier hinzu, einmassiert in die Haare. Ein astreiner Brotteig, der jedem Shampoo noch tagelang stand hielt. Ins Gesicht bekamen wir Achiote geschmiert, eine Frucht, die herrlich rot färbt, waschecht. Der Mob zog durch die Straßen und hat jeden verwüstet, der ihnen in die Quere kam. Und als keiner mehr kam, sind sie von Haus zu Haus gezogen und haben die Leute, auch Kommunalpolitiker, aus ihren Häusern gezogen und eingeschmiert. Bis das ganze Dorf aussah wie Schwein und die Sonne untergegangen ist. Klatschnass und eingeteigt tanzte das Dorf dann noch bis in die Nacht auf Mindos Straßen. Die waren dann bis zum nächsten Wochenende wieder wie ausgestorben, nur hier und da schlich ein Köter um die Häuser. Die Köter wurden beim Karneval übrigens auch nicht verschont, aber sie nahmen die Sache praktisch und leckten hinter dem Mob die Straßen sauber: lecker Mehlwasser und verkleckertes Ei.

In Quito gab es dann auch eine ecuadorianische Spezialität, die vor allem im Hochland verbreitet ist: Gegrilltes Meerschweinchen (Cuy). Viel ist nicht dran, die Haut ist wie aus dickem Gummi, aber an die Schenkelchen waren recht lecker. Und am Rücken, da sind sie besonders zart…

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