Blogeinträge

Shanghai-Shopping

Einen ganzen Tag sind wir für die Geschichte über den Zukunftsforscher CD Jia durch die Shanghaier Einkaufszentren und Modehäuser gezogen. Vor allem der Fotograf Maurice Weis hatte es dabei schwer, denn an kann die Zukunft nun mal nicht sehen – und deshalb auch nicht fotografieren.

einkaufspassageklein.jpgWir wussten, dass wir der Arbeit von CD damit ein wenig unrecht tun. Denn seine Tätigkeit besteht im Wesentlichen aus Experteninterviews, Studien, Diskussionsrunden. Eigentlich arbeitet er fast wie ein Wissenschaftler. Doch wir konnten ja schlecht beschreiben, wie er den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und auf den Computermonitor starrt.

mopedklein.jpgZwei Sachen lernte ich dabei: Shanghai mag die „Stadt der Zukunft“ sein. Das hatte der Spiegel vor sechs Jahren schon herausgefunden (Artikel)
und seitdem entdeckt das jede Woche auch ein anderes deutsches Magazin.

Trotzdem sehen Shanghaier Einkaufszentren eigentlich aus wie bei uns: Überall gibt es den gleichen Nippes zu kaufen, nur ist es in Shanghai lauter und überall sind mehr (viel mehr!) Menschen unterwegs. Kondome? … weiterlesen

Nach China? Nicht jeder!

Die sechste Geschichte sollte auf den letzten Drücker - am letzten Wochenende vor Redaktionsschluss - in Shanghai und Hongkong recherchiert werden. Gestern hatte der Protagonist zugesagt, heute musste es passieren, in dem Tempo etwa. Wir hatten sogar eine bekannte Journalistin in China, doch die durfte nicht einfach nach Shanghai oder Hongkong. Denn als offizielle Journalistin hat sie eine offizielle Reiseroute bei den Behörden angemeldet und von der durfte sie nicht abweichen, ohne die Behörden vorher um Erlaubnis zu fragen. Also wollte ich flink nach China, es gibt ja ein Touristen-Express-Visum, das kann man bis 11 Uhr beantragen und dann um 12 abholen. Wenn man denn eine Hotel- und eine Flugbuchung vorweisen kann. Ich buchte also Flug und Hotel und sagte am Schalter der chinesischen Botschaft in Berlin: Express bitte, mein Flug geht in fünf Stunden. “Wir können ihnen frühestens Freitag ein Visum ausstellen, kein Express”, sagte der junge Botschaftsbeamte. Es war Mittwoch. … weiterlesen

Georgien

Vier Tage bevor es nach Paris zu Paul gehen soll, klingelt der alarmrote Apparat. Das humanglobale Hauptquartier meldet: Planänderung. Wie wäre es mit Tiflis statt Paris? Kurz gefreut, schnell ein biometrisches Wunderwerk besorgt, dazu ein Buch über Georgien und los. Tiflis. Der Flieger landet morgens um vier und damit hat die Stadt schon gewonnen. Klar, jede Stadt hat tiefnachts ihren Zauber. pict0109x_web.jpg pict0073_web.jpgMenschenleere, Stille, Melancholie, sowas. Aber Tiflis hat dieses Leuchten. Man merkt es schon bei der Fahrt vom Flughafen über den George-W.-Bush-Highway, der pünktlich zum letzten Bush-Besuch gebaut wurde, damit seine SUVs auch flott ins Stadtzentrum kommen. Die Lampen an den Brücken überstrahlen den Asphalt mit grellem Neonlicht. Erste Brücke grün. Zweite Brücke blau. Dann gelb. Dazu der irrwitzig blinkende, lichtzuckende, pulsierende TV-Turm der eigentlich Leuchtturm heißen sollte. Und die Brunnen, die so grell strahlen als gehörten sie zur Vorhut einer bevorstehenden UFO-Invasion. Im Hotel dann schnell Vorhänge zu, Licht aus. Schlafen.

Alles weitere aus Tiflis (und auch die Erklärung für das Lichtspektakel) bitte nachlesen - in Humanglobaler Zufall Volume 2.

Mindo meldet:

Malte Fähnders und Meike Jung melden sich aus Mindo, Ecuador. Zusammen mit ihren Pflege-Kids spielten sie die Hauptrolle in der erten Geschichte der ersten Ausgabe von Humanglobaler Zufall. Eben erreichte mich diese Mail, mit Bitte um Blog:

uniformgruppeklein.jpgdacetruppklein.jpgDie Zeit rennt. Das erste Trimester liegt fast hinter uns. Aber noch sitzen die Kinder im Salem-Haus Abend für Abend mit ihren Büchern in den Hängematten, in ihren Betten oder im Garten und pauken bis der Kopf qualmt. Für die Abschlusstestes muss stur auswendig gelernt werden: der Humboldt-Strom ist kalt und kommt vom Südpol, die Hauptstadt heißt Quito, was, zum Andenhahn, war noch der Blinddarm? So manch einer verliert schon zwischendurch die Nerven. Doch in diesen Momenten hilft meistens ein wenig Fußball oder Basketball. Oder wir schauen uns die kurzen Salem-Filme auf YouTube an, das macht immer Laune. Ein ganz großes Plus ist jedoch inzwischen unser neues Zentrum: die jetzt fertig gebaute und eingerichtete Küche!

kucheklein.jpguniform-treppe-klein.jpgPS: Und warum jetzt Krawatte? Weil wir jeden Tag für dreizehn frisch gewaschene und gebügelte Uniformen sorgen müssen. Eine Parade-Uniform, eine Uniform für den Alltag, und eine Sport-Unifrom. Wer das jetzt als vollkommen hineingesteigert empfindet, bekommt meine volle Zustimmung.

Zum Bild rechts oben: Ein paar von unseren Mädels treten mittlerweile recht erfolgreich als Girlgroup bei Dorffesten oder Hochzeiten auf. Mit einer astreinen Dance-Performance! Darunter: links lockt das Licht der neuen Küche nicht nur die Kids (Bilder darunter) sondern auch Amsel-große Nachtfalter an.

in-kuche-klein.jpgelternklein.jpg

Bonjour ’Umanglobaler Zufall

eiffelturmklein.jpgVon Sapporo nach Paris. Von Akemi zu Paul, unserem Protagonisten für die nächste Reportage. Sapporo war überschaubar, naturverbunden, wenig touristisch. Paris ist eine dieser Touristenmetropolen. Schon am Flughafen winken Gesandte von irgendwelchen Reisebüros mit großen Schildern. Auf ihnen steht dann geschrieben „Mr. Shearer“ oder „Senor Casal“ oder „Herr Raufmann“.
Wer nicht in den Genuss des exquisiten Abholservices kommt, der muss vom Flughafen Charles de Gaulle mit dem Zug in die Innenstadt brettern, Fahrtzeit ungefähr 30 Minuten, und schon ist man am Gare du Nord, dem Bahnhof, den wohl viele aus dem Französisch-Schulbuch kennen. Was kennt man noch aus dem Schulbuch? Den Place de la Concorde. Richtig. Und Champs-Élysées. Genau. Und den Eiffelturm natürlich.
Dort tummeln sich die Leute, stehen in vier große Schlangen an und wollen einmal hoch auf den Turm. Einmal über Paris blicken, sehen, wie sich die Seine durch die Stadt schlängelt, wie die großen Prachtstraßen auf den Arc de Triumphe zulaufen. Und dann geht es auch schon wieder runter vom Turm. Der auf dem Foto ist übrigens der TV-Tower in Sapporo … weiterlesen

Lieber Zufall

Dieser Zufall erreichte mich neulich per Mail, danke an Julia Castagnoli!

Hallo!
Euer Magazin klingt superinteressant!
Ich habe meinen jetzigen Freund auch nur durch einen Zufall kennengelernt, er ist Isländer und hat, obwohl er sonst nie Anhalter mitnimmt, zwei Freunde von mir (aus Hamburg und Paris) in Island an der Straße aufgelesen. Im Auto stellte man fest das alle Filmemacher sind und die beiden luden ihn nach München ein, wo wir uns kennenlernten und verliebten. :-)
Ohne dieses zufällig vorbeifahrende Auto würden wir jetzt im August nicht zusammenziehen.
Liebe Grüße
Julia

Locht Aktuell

Es ist kurz nach ein Uhr nachts. Die Stimmung ist grenzwertig, Deutschland hat gegen Kroatien verloren, aber so schlecht wie wir gespielt haben: Das war doch nicht die Originalmannschaft, das waren  höchstens irgendwelche verwirrten Klone.  Die zweite Ausgabe muss morgen früh um acht im Repro-Studio sein, kein Problem, ist ja noch sieben Stunden Zeit…  Wir sind endorphinlose Bildschirm-Junkies, jedes falsche Wort kann zu einer schlimmen Schlägerei im Team führen. Ist aber bislang noch nicht passiert. Bier macht ruhig.

Nachrichten aus dem Locht

Es ist kurz vor sechs, aber das EM-Spiel Russland gegen Schweden ist zum Glück nicht sooo spannend, deshalb läuft die Leinwand nur lochtteam.jpgnebenbei. Alle arbeiten fleissig davidlocht.jpgan Volume 2 von Humanglobaler Zufall, damit zumindest Donnerstag Zeit für das Deutschland-Spiel ist. Aber wie gesagt, es geht hier nicht um Fußball sondern um den roten Faden. Und der muss Freitag in die Druckerei, ist aber so gut wie gebändigt. Es geht von Sapporo über Paris nach Sao Paulo und weiter nach Bern über Tiflis nach Shanghai. Die Strecken, die gerade gelayoutet werden, sind vom Feinsten, den Autoren, Fotografen und Bureau Borsche sei Dank!

PS: Die Chefs haben sich die Mittagspause verkniffen und sind nun Essen gegangen. Dass in dem RestaurantRussland-Schweden läuft, ist Zufall

Groesser gehts kaum: Sao Paulo

Sao Paulo ist die groesste Stadt suedlich des Aequators. Zwar gibt es hier keine Umlaute, aber so viele Autos und Busse, dass zumindest der Tourist staendig Aeh! und Oeh! denkt. Obwohl ich ja kein Tourist bin, sondern mit Fotograf Armin Smailovic fuer die zweite Ausgabe recherchiere. Ueber eine Kunsttherapeutin, die mit Fluechtlingen arbeitet. carmenklein.jpg

Morgen leg ich mich selbst auf die Couch, und schuette mein Herz auf ein Blatt Papier. Zusammen mit 139 weiteren Edel-Seiten liegt es dann am 7. Juli gebunden im Humanglobalen Zufall Vol. 2 am Kiosk.

Jedenfalls heizen die Busse durch die Strassen und roehren an den Leuten auf dem Buergersteig vorbei, dass einem die Ohren bluten. Die Abgase stinken nur temporaer, da sie sich schnell nach oben verziehen und die Dunstglocke ueber der Stadt naehren. Eine Stadt, so weit wie der saopauloklein.jpg Horizont. Der Blick von dem Copan-Hochhaus von Oscar Niemeyer (der auch die Hauptstadt Brasilia entworfen hat und Volksheld ist) zeigt Wolkenkratzer so weit das Auge reicht. 360 Grad, Wolkenkratzer und Hochhaeuser, grau und beige unter der voellig homogenen Smogwolke (in einem etwas klassischerem Grauton). Weisse Wolken waren keine zu erkennen. Hier und da ein Hubschrauber und ein paar Duesenflieger.

Aber obwohl Sao Paulo so ein Moloch ist, … weiterlesen

Fliegen, Fußball, Feierabend

Da ich für den HGZ „nur“ ins schweizerische Bern reisen musste, hatte ich mir zumindest eine Jetset-ähnliche Route zurecht gelegt: Am Montag ging es mit dem Nachtzug zunächst von Berlin nach Aachen. Falls noch jemand dachte, dass hätte irgendwas Romantisches an sich – nein, nicht im Sechserabteil auf holzharten Liegen. Dann Köln, um von dort nach München zu fliegen und weiter mit der Propellermaschine nach Bern. Zurück ging es wieder über München (hübscher Flughafen!), wo ich noch immer versuchte den Kontakt für meine Nachfolgegeschichte zu erreichen. Stattdessen verschluckte der Telekomkasten meine Euros. Ein entsprechend frustriertes Foto von mir demnächst auf flickr. Aus Hamburg/Reeperbahn (!) nun noch ein paar Hard Facts über Bern, natürlich fußballlastig:

  • viertgrößte Stadt der Schweiz mit 128.000 Einwohnern, dafür Bundeshauptstadt

  • die schnuckelige Altstadt zählt zum Weltkulturerbe

  • man rühmt sich die „kürzeste Standseilbahn Europas“ zu betreiben

  • Bern beherbergt die „Todesgruppe“ der EM: Italien, Frankreich und die Niederlande spielen hier um den Gruppensieg und außerdem noch mit Rumänien

  • Parken heißt hier „Parkieren“, Arbeiten sinngemäß „Chrampfe“ und der Faustschlag wird zur „Fadegrade“

  • 1954 hat Helmut Rahn „aus dem Hintergrund“ geschossen und Deutschland zum ersten Mal zum Weltmeister gemacht. Netterweise haben die Einheimischen den Slogan „Bern wirkt Wunder“ beibehalten

  • Laut lokalen Nachrichten fürchten sich die Berner derzeit am meisten vor 50.000 niederländischen Fans, nur 30.000 „Oranjes“ waren zunächst erwartet worden

  • Am 9. Juni um 18 Uhr startet Bern mit der Partie Rumänien vs. Frankreich in die EM 2008 - einschalten!