Christof, Samoa

Am Rande von Münster steht eines der schäbigsten Studentenwohnheime Deutschlands. Dort, wo sich Provinz und Kleinbürgertum die Hand geben und genervte Studenten am frühen Morgen mit Wasserpistolen auf lärmende Fasane schießen, hat Christof Langguth gelebt, in einem Neun-Quadratmeter-Zimmer, mit Gemeinschaftsduschen, deren Vorhänge schimmeln, und einer von Mäusen heimgesuchten Küche, in der Studenten aus Afrika, Asien und Europa ihr Süppchen kochen. Hier hat sich Christof infiziert. Mit einem Virus namens Fernweh. Das Virus tobte sich aus, trieb Christof in die Welt, immer weiter weg und führte den 31-Jährigen nun nach Upolu, der Hauptinsel Samoas, einem Inselparadies im Pazifik, kleiner als London, noch irgendwo hinter den Fidschi-Inseln gelegen und 20000 Kilometer von der Heimat entfernt – von einem Ende der Welt ans andere. Aber an ein schönes.
Hört sich paradiesisch an? Ist es aber nur auf den ersten Blick. Denn Samoa ist abhängig von Hilfe aus dem Ausland. Christof, den Nathalie während einer Schwangerschaftsvertretung in Kigali kennen lernte, fängt beim Grundsätzlichen an und sorgt als Wasserbauingenieur erst einmal für sauberes Trinkwasser. Siehe Geschichte drei, Humanglobaler Zufall Volume 4.

Blogeinträge zu "Samoa"

30 Stunden Bifi

HGZ-Autor Tobias Romberg schreibt:

Hätte Global Editor Dennis Buchmann mir vor dieser Reise einen roten Faden an die Wade geknotet, dann wäre nun die Welt umgarnt. Denn für die Reportage über den sauerländischen Bauingenieur Christof auf Samoa bin ich einmal um den Globus geflogen: Frankfurt - London - Hongkong - Auckland - Königreich Tonga - SAMOA - Los Angeles - London - Frankfurt. Gut für das neu erworbene  Bonusmeilenkonto, schlecht für Sitzfleisch, Geschmacksnerv und Zeitgefühl.christofklein.jpgDer Passagier-Popo saß nämlich auf dem Hinweg rund 30 Stunden im Flugzeug, auf dem Rückweg 25. Dazu etliche Wartestunden in Wartehallen von Wartehäfen… ähh Flughäfen. Glücklich ist der, der dann im Flieger einen Gangplatz ergattert und sich die Beine vertreten kann, wann er möchte. Schlimmer ist es bei einem Platz am Fenster: Kann ich es meinen beiden Reisereihengefährten zumuten, noch einmal aufzustehen? Kann ich sie wecken, um mir mal die Beine zu vertreten? Klar, kann ich. Mama hat doch so vor Thrombose gewarnt.
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Die regelmäßigen Thrombose-Prophylaxe-Gang-Spaziergänge machen die Stimmung in der Reisereihe nicht besser. Stimmungssteigernd ist übrigens auch nicht das Flugzeugessen. Doch nach dem dritten Mahl auf dem Flug nach Hongkong schaltet der Körper irgendwann den Geschmacksnerv ab und findet sich mit dem rechteckigen Rabenfraß ab. Glücklich der, der Chips und einen 10er-Pack Bifi eingepackt hat. Stimmungsfördernd, da geruchsintensiv, ist das für die Reisereihe wiederum nicht. … weiterlesen