Malen gegen das Leiden - Carmen Santana

Abends lässt sie es raus: Carmen Santana tanzt sich den Kopf mit Samba frei. Denn Carmen arbeitet mit Flüchtlingen und deren Schicksale sind keine leichte Kost. Sie kommen vor allem aus Afrika und Kolumbien und haben alles verloren: Ihr Hab und Gut, ihre Heimat, ihre Identität. Das kann ihnen auch Kunsttherapeutin Carmen nicht wiedergeben. Aber bei der Kunsttherapie helfen Stift und Papier den Flüchtlingen, jene Dinge auszudrücken, die nicht in Worte fassbar sind. In Ausgabe zwei von Humanglobaler Zufall malt Carmen mit einem Flüchtling, der zwar schon seit zehn Jahren in Brasilien lebt, aber psychisch immer noch gezeichnet ist von seiner Flucht. Als sie danach zum Samba geht, um abzuschalten, vergisst sie nicht, ihre Tasche mitzunehmen. Wäre ja auch ärgerlich. Obwohl – als sie das letzte Mal ihre Tasche liegen ließ, lernte sie dadurch eine Kunsttherapeutin in der fernen Schweiz kennen: Gunda Bay aus Geschichte vier…

Blogeinträge zu "Sao Paulo"

Gewaltige Bilder

Carlos war Soldat bei der FARC, der großen Guerilla-Bewegung in Kolumbien. Das hat er Kunsttherapeutin Carmen erzählt, die in der dritten Geschichte von Humanglobaler Zufall Volume 2 die Hauptrolle spielt. Carlos wollte fort von der FARC, doch das wollte die FARC nicht. Er wurde gefoltert, verlor Frau und Kinder. Da er als ehemaliger FARC-Kämpfer in Brasilien, wo Carmen in Sao Paulo arbeitet, keine Chance auf Anerkennung als Flüchtling hatte, dachte er sich eine andere Geschichte aus. Doch Carmen konnte er die Wahrheit erzählen. Jeden Tag wiederholte er sich, sagte immer nur “Ich leide und leide! Alles ist so schlimm!” Und obwohl das stimmte, hielt es Carmen nicht mehr aus und drückte ihm schließlich einfach einen Pinsel in die Hand und sagte: “Male!”

Auf seinen Bildern, die hier zu sehen sind, dominiert die kolumbianische Flagge mit ihren Farben Gelb, Blau und Rot. Er ist hin- und hergerissen in einer Art Hass-Liebe zu seinem Land. In einem Brief an sein Land Kolumbien klagt er an und träumt zugleich. Hier die Übersetzung:

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Kolumbien, mein Vaterland. Wie gerne möchte ich dich immer frei sehen, kerngesund und im Frieden. Möge deine zarte grüne Erde immer gebadet sein von der Frische deiner Flüsse und dem sumpfigen Tiefland aber nicht vom Blut deiner unschuldigen Söhne. Mögen durch deine Täler und Gebirge die Kinder laufen und rufen aber nur vor Glück, aber nicht aus Angst, Furcht und Trostlosigkeit. Mögen Soldaten an Stelle von Gewehren, Granaten und Minen Gitarren, Flöten und Rumbakugeln tragen, um dem Leben zu singen. Mögen sie, anstatt zu trainieren, das Leben anderer menschlicher Wesen zu zerstören, sich darauf vorbereiten zu lehren die Künste und Literatur, Motor der Entwicklung eines Volkes. Mögen die Mütter vor Glück weinen und nicht vor Herzeleid, wenn sie ihre toten Söhne zurückkommen sehen wegen eines ungerechten Krieges, dem es an Idealen und Zielen fehlt, der das Leben von denen nimmt, die wunderbarerweise überleben in einem Leben: einsam, arm, schmutzig, verroht und katastrophal. 7. 12. 2005

 

“Farben der Hoffnung”

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“Freizeitland”

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Groesser gehts kaum: Sao Paulo

Sao Paulo ist die groesste Stadt suedlich des Aequators. Zwar gibt es hier keine Umlaute, aber so viele Autos und Busse, dass zumindest der Tourist staendig Aeh! und Oeh! denkt. Obwohl ich ja kein Tourist bin, sondern mit Fotograf Armin Smailovic fuer die zweite Ausgabe recherchiere. Ueber eine Kunsttherapeutin, die mit Fluechtlingen arbeitet. carmenklein.jpg

Morgen leg ich mich selbst auf die Couch, und schuette mein Herz auf ein Blatt Papier. Zusammen mit 139 weiteren Edel-Seiten liegt es dann am 7. Juli gebunden im Humanglobalen Zufall Vol. 2 am Kiosk.

Jedenfalls heizen die Busse durch die Strassen und roehren an den Leuten auf dem Buergersteig vorbei, dass einem die Ohren bluten. Die Abgase stinken nur temporaer, da sie sich schnell nach oben verziehen und die Dunstglocke ueber der Stadt naehren. Eine Stadt, so weit wie der saopauloklein.jpg Horizont. Der Blick von dem Copan-Hochhaus von Oscar Niemeyer (der auch die Hauptstadt Brasilia entworfen hat und Volksheld ist) zeigt Wolkenkratzer so weit das Auge reicht. 360 Grad, Wolkenkratzer und Hochhaeuser, grau und beige unter der voellig homogenen Smogwolke (in einem etwas klassischerem Grauton). Weisse Wolken waren keine zu erkennen. Hier und da ein Hubschrauber und ein paar Duesenflieger.

Aber obwohl Sao Paulo so ein Moloch ist, … weiterlesen