Carlos war Soldat bei der FARC, der großen Guerilla-Bewegung in Kolumbien. Das hat er Kunsttherapeutin Carmen erzählt, die in der dritten Geschichte von Humanglobaler Zufall Volume 2 die Hauptrolle spielt. Carlos wollte fort von der FARC, doch das wollte die FARC nicht. Er wurde gefoltert, verlor Frau und Kinder. Da er als ehemaliger FARC-Kämpfer in Brasilien, wo Carmen in Sao Paulo arbeitet, keine Chance auf Anerkennung als Flüchtling hatte, dachte er sich eine andere Geschichte aus. Doch Carmen konnte er die Wahrheit erzählen. Jeden Tag wiederholte er sich, sagte immer nur “Ich leide und leide! Alles ist so schlimm!” Und obwohl das stimmte, hielt es Carmen nicht mehr aus und drückte ihm schließlich einfach einen Pinsel in die Hand und sagte: “Male!”
Auf seinen Bildern, die hier zu sehen sind, dominiert die kolumbianische Flagge mit ihren Farben Gelb, Blau und Rot. Er ist hin- und hergerissen in einer Art Hass-Liebe zu seinem Land. In einem Brief an sein Land Kolumbien klagt er an und träumt zugleich. Hier die Übersetzung:
Kolumbien, mein Vaterland. Wie gerne möchte ich dich immer frei sehen, kerngesund und im Frieden. Möge deine zarte grüne Erde immer gebadet sein von der Frische deiner Flüsse und dem sumpfigen Tiefland aber nicht vom Blut deiner unschuldigen Söhne. Mögen durch deine Täler und Gebirge die Kinder laufen und rufen aber nur vor Glück, aber nicht aus Angst, Furcht und Trostlosigkeit. Mögen Soldaten an Stelle von Gewehren, Granaten und Minen Gitarren, Flöten und Rumbakugeln tragen, um dem Leben zu singen. Mögen sie, anstatt zu trainieren, das Leben anderer menschlicher Wesen zu zerstören, sich darauf vorbereiten zu lehren die Künste und Literatur, Motor der Entwicklung eines Volkes. Mögen die Mütter vor Glück weinen und nicht vor Herzeleid, wenn sie ihre toten Söhne zurückkommen sehen wegen eines ungerechten Krieges, dem es an Idealen und Zielen fehlt, der das Leben von denen nimmt, die wunderbarerweise überleben in einem Leben: einsam, arm, schmutzig, verroht und katastrophal. 7. 12. 2005
“Farben der Hoffnung”
“Freizeitland”
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