Max Graef, Kamerun

In Nkambe, einem Dorf im Nordwesten von Kamerun, wussten die Menschen bis vor zwei Jahren nicht, was um sie herum geschieht: Was passiert in der Hauptstadt? Welche Partei unterstützt welche Programme? Welcher Politiker wurde der Korruption überführt? Die Menschen in Nkambe haben kein Geld für einen Fernseher, die Zeitung wird kaum gelesen und das staatliche Radio konnten sie nicht empfangen, zu weit draußen liegt ihre Provinz Donga Mantung. Doch dann kam Max und brachte Radio. Der Ingenieur verkaufte den Menschen in Nkambe eine kleine Radiostation, installierte sie und so platt es klingen mag: Die Menschen dort sind nun glücklicher, dank Information. In vielen Stammessprachen gibt es nicht nur Aufklärungsprogramme oder Bekanntmachungen zu hören, auch der staatliche Sender und seine Nachrichten werden „rebroadcastet“. Max hat die Station besucht und war wieder erstaunt: Die Mentalität in Kamerun ist geprägt von Warmherzigkeit, es mangelt aber an Organisationstalent. Aber irgendwie läuft Donga Mantung Community Radio tatsächlich von morgens bis abends. Und eines Tages wird Max vielleicht auch in einer der Fight For Peace Schule von Luke ein Media-Center bauen….

Blogeinträge zu "Kamerun"

Other Matters


img_0110.JPG“DMCR Sunday Request Card” steht auf dem nassen Papier, dass der Manager aus dem nassen Umschlag zieht. Es regnet seit zwei Tagen. Ein 100 Kamerun-Franc-Stück fällt aus dem Umschlag, soviel kostet es, sich bei DMCR für den Sonntag ein Lied zu wünschen, dass dann mit persönlicher Grußbotschaft gesendet wird. Ganz unten auf dem Zettel gibt es die Rubrik „Other Matters”. Diese kleinen Weisheiten sind ein gutes Charakteristikum für die Mentalität in Nkambe. Da sie ins Deutsche übersetzt an Charme verlieren würden, hier einige im englischen Original:

„We most shared our love in this world”

“Little is much if god is in it”

“Wisdom knows the lesson of history and can anticipate the future”

“Nobody will go to heaven with any earthly property”

“No one can climb the ladder of success with his hands pocketed”

“A friend in deed is a friend in deed”

Kamerun, Koffer, Kaos


img_0073.JPGWir landeten in Douala, fingen an zu schwitzen, zeigten Gelbfieberimpfung und Visum - und schon waren wir in Kamerun. Das ging schnell.
Aber dann kam die Sache mit den Koffern und dem Zoll. Unsere Maschine war die einzige auf dem Flughafen, doch sie war voll, und nun entleerten sich hunderte von Menschen in eine viel zu kleine Halle. Hier gab es drei Kofferbänder, zwei normale, die die Koffer im Kreis laufen lassen und eins, das sie einfach nur ausspuckte, auf den Boden, wo sich ein Kofferberg auftürmte. Es gab nur einen Flug, doch alle drei Kofferbänder spuckten Koffer aus. Es war eng und es war heiß. Draußen flogen ein paar Reiher vorbei, drinnen herrschte das Chaos. Man konnte nicht alle drei Bänder überblicken, und von einem zu nächsten brauchte man ein paar Minuten durch die nassen Massen. Es war ein Glücksspiel. Schließlich hatten wir alles beisammen, auch Max Graef, der Radioingenieur, von dem die 4. Geschichte in Humanglobaler Zufall Vol. 3 handelt. Er hatte zwei Antennen, Laptops und andere Geräte in Pappröhren und Kartons. Es gab zwei Ausgänge, „Etwas zu verzollen” und „Nichts zu verzollen”. „Nichts zu verzollen” wurde seit langem nicht mehr benutzt. Davor standen alte, verstaubte Schreibtische auf denen Hüllen alter Monitore standen. Es sah aus wie eine Straßensperre von Beamten. Jedenfalls wollten wir keine tausende von Kamerun-Franc Zoll bezahlen für die halbe Radiostation, die Max dabei hatte. Als er vor zwei Jahren das erste Mal hier war, waren immerhin umgerechnet über 1500 Euro fällig. … weiterlesen