Roi, Israel

Roi will darüber nicht nachdenken. Nicht jetzt und auch nicht später. Klar, das alles hier könnte ihm genommen werden, aber dagegen könnte er sowieso nichts machen.
Roi Keinan steht auf einem Felsenvorsprung in den Golanhöhen. Er blickt in einen Abgrund, 30 Meter tief, unten pechschwarzes Wasser. Jetzt muss er aufpassen, dass alle sicher unten ankommen. Da denkt er nicht darüber nach, ob Israel dieses 1967 besetzte Gebiet wieder an Syrien zurückgeben muss, auch, wenn er hier so gerne ist. Für Politik ist gerade kein Platz an diesem Ort, der so politisch ist. Seit Jahren versucht Roi, einen großen Bogen um die israelische Nachrichtenlage zu machen. Er will keine Schlagzeilen lesen, er will keine hören und er will sie nicht sehen. Nicht, weil sie ihm egal sind, sondern einfach, weil sich sein Leben ohne sie leichter lebt. „Alles, was darin gesagt wird, ist negativ – das will ich nicht mehr wissen.“ Augen zu und durch. Roi lebt am liebsten weit weg von allem. Der 36-Jährige ist da zu Hause, wo keine Häuser stehen, wo die Welt ist, wie sie war, bevor die Zivilisation kam – und mir ihr die Politik und die Probleme. Dort verdient er sein Geld, dort verbringt er seine Zeit. Er führt Menschen durch die Berge und Wüsten Israels und zeigt ihnen, wie schön das Land ist, wenn man es genießt, statt darüber nachzudenken. Denn Roi, der gemeinsam mit Christof durch Asien gefahren ist, ist Trekking-Guide in Israel. Doch vor den politischen Problemen kann er sich nicht absichern, da hilft auch kein noch so ausgefeilter Knoten beim Abseilen… Geschichte 4, Humanglobaler Zufall Volume 4.

Blogeinträge zu "Israel"

Roi die Eidechse

Autorin Svenja Kleinschmidt berichtet aus Israel:

Der Zufall wollte es eben so. Ich war auf meinem Weg nach Israel, wo ich ein halbes Jahr leben werde, als der Humanglobale Faden zu Roi führte. Der Trip mit ihm durch die Golanhöhen versprach einen netten ersten Blick auf das Land. Doch zuerst war ich mehr als verängstigt, als Roi erzählte, was mich auf der Klettertour alles erwarten würde: wir springen von fünf Meter hohen Felsen und seilen uns ein paar steile Abhänge an Wasserfällen herunter. Wir schwimmen mit unserer Kleidung durch natürliche Pools und werden die meiste Zeit klitschnass unterwegs sein. Fünf Stunden wird die Tour etwa dauern, eventuell auch mehr. dsc00712.jpgdsc00721.jpg
Okay… Gerade hatte ich mir die ersten Wanderschuhe meines Lebens gekauft, mehr als ein Spaziergang zu einer Hütte in den Alpen war bei mir bisher nicht drin. Völlig untrainiert und unerfahren auf einen Trip für Fortgeschrittene? Auch Roi hatte zwischendurch ein bisschen Sorge, wie er mir im Nachhinein erzählte. Vorher klopfte er allerdings wie immer seine Sprüche: „Kein Problem, Heidi, da bekommen wir dich schon durch!“ Durch ist dabei ein durchaus angemessenes Wort, denn Roi erklärte mir: „Sind wir erstmal auf dem Pfad, gibt es keinen Weg mehr zurück, wir klettern so tief und springen solche Felsen herunter, dass es nur dann nur noch vorwärts geht. Die Strecke musst du dann aushalten.“ … weiterlesen