die vierte Ausgabe von Humanglobaler Zufall ist da! Diesmal mit Thermo-Cover! Wir haben keine Mühen gescheut, um einen würdigen Abgang hinzulegen. Denn die vierte Ausgabe wird auch erst einmal die letzte sein. Ihre Aufschreie der Empörung können Sie hier loswerden. Oder hier. Schluchz!
Jacob Kirkegaard, Berlin
Berlin ist Weltstadt! Schon zum zweiten Mal führt uns der Humanglobale Zufall hierher. Nachdem wir in Volume 1 den Fotografen des globalen Lachens in Berlin trafen, lauschen wir diesmal einem Profi-Lauscher: Der Klangkünstler Jacob Kirkegaard nimmt das Unaufnehmbare auf, etwa die Soundkulisse im menschlichen Innenohr, den Wind, der um ein Geländer streicht, oder das Nichts in verlassenen Häusern bei Tschernobyl. Für Jacob ist Welt ein unendliches, sich niemals erschöpfendes Instrument. Seine hochsensiblen Mikrophone sind sozusagen das Plectrum, mit dem er Häusersäulen wie Saiten anschlägt. Wie er das macht? Humanglobaler Zufall Volume 3, Geschichte 6. Baile Funk in Rio, Radio in Kamerun, Tanzkünste in Palästina, Integrationsrap in Kopenhagen, Klangkünstler in Berlin: Eigentlich müsste das Magazin diesmal Humanglobalakustischer Zufall heißen…
Blogeinträge zu "Berlin"
Haarsträubend, ohrenbetäubend
Für meine Geschichte über den dänischen Klangkünstler Jacob Kierkegaard fühlte ich mich manchmal dem falschen Medium verpflichtet – Töne und Geräusche spielen die Hauptrolle und ein Podcast wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen. Doch diese besondere Kunst in Worte zu fassen war dann doch eine erkenntnisreiche Angelegenheit. Mit einem Ton, den die Haarzellen im Ohr des Künstlers erzeugt haben, beginnt die Geschichte. Jacobs Auftrag lautet „die versteckten und vergessenen Klänge“ wieder an die Oberfläche zu bringen. Mit seiner Frau lebt er in Berlin-Kreuzberg, tourt mit seinen Tönen aber um die ganze Welt. Räume verwandelt er in Klangkörper, aus scheinbar stummen Gegenständen zaubern seine feinen Geräte noch das leiseste Geräusch heraus. So lauscht er den Geschichten von Geysiren in Island, verlassenen Orten in Tschernobyl oder den Eisenzäunen am Rhein. Mehr von Jacob hört und seht ihr in HGZ Vol. 3!
Kein Lächeln (fast) nirgends.
An einem farblosen Februarvormittag spazierte ich durch den Nieselregen, um Pramod zu treffen, den Fotografen, der rund um den Globus Menschen auf der ganzen Welt beim Grinsen, Lächeln und Lachen abgelichtet hat. Mein experimenteller Ansatz während des zehnminütigen Fußwegs zum Café: zählen, wie viele lächelnde Menschen auf der Straße unterwegs waren.
Nieselregentropfen piksten mir ins Gesicht, und zu zählen hatte ich - nichts. Denn die Menschen um mich herum hatten offenbar nichts zu lachen. Der Junge vom Spätkauf starrte mißmutig aus dem Fenster: Bislang hatte sich noch kein Kunde in seinen Laden verirrt. Auch die Blumenverkäuferin hatte an diesem Vormittag noch keinen Umsatz gemacht. Und wer bei diesem Wetter unbedingt auf die Straße musste, wollte das schnell hinter sich bringen. Ein kleiner Junge lief an mir vorbei in Richtung U-Bahn. Sein verständnisloser Blick in mein lächelndes Gesicht ließ dann auch meine Mundwinkel sinken. Egal, ich war sowieso gleich am Ziel, nur noch schnell über die Straße … fast hätte ich ihn verpasst. Unter der Markise eines Spielwarenladens stand ein Mann um die dreißig und lächelte in den Kinderwagen hinein, der vor ihm stand.

