9000-Kilometer-Fernbeziehung - Akemi Doto

Volume 2: Big in Japan

I am big in Japan unterwegs für Volume 2 von Humanglobaler Zufall. Meine Japan erprobte Tante hatte schon prophezeit, dass ich mit meiner Körpergröße von 191 Zentimeter jeden und alles hier überragen werde. Seit acht Stunden bin ich nun im Lande, bisher musste ich mich tatsächlich bei jedem Gespräch bücken, kleine Kinder sind mir schon ans Bein gesprungen, freuen sich über den blonden Großen aus Deutschland.

Ich bücke mich also im Sinne der Völkerverständigung fleißig weiter und freue mich über die grandiose Gastfreundschaft, die sich bereits in ersten Geschenken niederschlägt: Ein freundlicher älterer Herr mit einem karierten Hut, den durchaus auch ältere Menschen in Deutschland zu tragen pflegen, schenkt mit während einer Bahnfahrt in die Innenstadt von Sapporo beängstigend weiche Bananenbiskuits aus Tokyo. Nicht lecker, aber rührend. Schlucken, lachen, bedanken - so macht man das.

Hier schnell noch ein paar Zeilen zur Anreise

Der Flug von Frankfurt nach Tokyo
All Nippon Airways kommt zum Glück meinem Wunsch nach überdurchschnittlich viel Beinfreiheit nach und vermacht mir den Sitzplatz am Notausgang. Kurzerhand werde ich deshalb auch zum Krisenassistenten ernannt. Denn wer den Luxusplatz am Notausgang kriegt, steht im Ernstfall in der Verantwortung: Tür auf, Rutsche raus, Weg weisen, Omas und Kinder zuerst, dann eigenes Leben retten. Im Flugzeug rechts von mir sitzt ein Handelsreisender eines süddeutschen Unternehmens. Seine Mission: Deutsche Halbleiter auf dem asiatischen Markt verticken. Kontaktpflege ist wichtig, erzählt er. Deshalb habe er auch schon die ein oder andere Karaoke-Show liefern müssen. Natürlich stark alkoholisiert, sonst geht das ja gar nicht, erzählt er weiter und bestellt kurz nach dem Start die erste kleine Flasche Rotwein. Wenig später ordert er die zweite Pulle. Hoffentlich singt er nicht, denke ich. Dschingis Khan und Nena sind seine Spezialitäten, erzählt er. Doch statt Gesangseinlage gibt es Klapptischakrobatik. Er verteilt den Wein auf seinem Essenstablett und der Hose seiner japanischen Nachbarin. Die lacht höflich, bittet um Servietten. Die nächsten elf Stunden bleiben beide trocken. Ich schlafe viel.

Flughafen Tokyo
Ah ha, da ist er ja: Der asiatische Gesundheitswahn. Einige aufgetakelte Schönheiten tragen Mundschutz. Zeitgleich verkündet CNN im Warteraum (Flug nach Sapporo), dass in Südkorea wahrscheinlich wieder die Vogelseuche ausbricht. Muss ich mich jetzt auch vermummen? Ich entscheide mich dagegen. Noch vor dem Zoll in Tokyo warteten übrigens Männer der „Health Consultation“. Sie warnen vor Krankheiten und bitten Passagiere mit Fieber oder Durchfall zum Gespräch. Auch eine Liste von besonders gefährdeten Ländern hängt aus – Deutschland ist nicht dabei. Hurra.

Flug nach Sapporo-Chitose
Schon beim Zoll merke ich, dass die Japaner in Sachen Fremdsprachen ungefähr so gut drauf sind wie die Franzosen (fünf Euro in die Klischeedose). Wenig später sitze ich im Bus zum Flugzug nach Sapporo. Ein winziges Schild hängt aus: IN EMERGENCY PULL THE HANDLE (IN RED FRAME), AND CAN BE OPENED BY HAND – im Notfall werde ich mich also darauf verlassen, dass die japanische Beschreibung besser ist und ein Japaner mich retten wird. Es folgt ein ruhiger, 90-minütiger Flug.

foto-schildflughafen-sapporo-chitoseklein.jpg

Flughafen Sapporo
Die dicken Fische sind schon da. Sie schwimmen in einem großen Aquarium in der Nähe des Gepäckbandes. Zur Begrüßung matschen sie ihre dicken Mäuler an die Scheiben und nuckeln. Die ganz dicken Fische kommen aber noch, lese ich. Große Transparente weisen auf das G8-Treffen in Sapporo Anfang Juli hin. Dann werden die Nuckel-Fische zur Begrüßung für Merkel, Bush und Co. an die Scheibe matschen.

Zugfahrt in die Innenstadt
Wieder bin ich begeistert von der Technik. Die Menschen strömen in die Bahn, die Sitze sind alle entgegengesetzt der Fahrtrichtung. Gibt schlimmeres - wohl aber nicht in Sapporo. Ein Schaffner kommt rein, bittet alle Passagiere aufzustehen und drückt einige Knöpfe. Und schwupps – drehen sich die Sitze in Fahrtrichtung. Prima. Da freut sich der Laie. Auch die öffentlichen Toiletten sind ein Wunder der Technik. Aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

foto-high-tech-zug-nach-sapporoklein.jpg

Morgen treffe ich die Protagonistin für die erste Reportage der zweiten Ausgabe vom Humanglobalen Zufall. Wie es war, verrate ich in den nächsten Tagen.

Ein Kommentar zu “Volume 2: Big in Japan”
  1. Dorothee Düking sagt am 19.06.2008 um 12:44 pm :

    Ein humanglobaler Zufall ist, dass die Japan erprobte Tante des Autors wohl nur meine alte Nachbarin und Freundin sein kann. Dorothee

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