Lars Gaede
Blogeinträge von Lars Gaede
Georgien
Vier Tage bevor es nach Paris zu Paul gehen soll, klingelt der alarmrote Apparat. Das humanglobale Hauptquartier meldet: Planänderung. Wie wäre es mit Tiflis statt Paris? Kurz gefreut, schnell ein biometrisches Wunderwerk besorgt, dazu ein Buch über Georgien und los. Tiflis. Der Flieger landet morgens um vier und damit hat die Stadt schon gewonnen. Klar, jede Stadt hat tiefnachts ihren Zauber.
Menschenleere, Stille, Melancholie, sowas. Aber Tiflis hat dieses Leuchten. Man merkt es schon bei der Fahrt vom Flughafen über den George-W.-Bush-Highway, der pünktlich zum letzten Bush-Besuch gebaut wurde, damit seine SUVs auch flott ins Stadtzentrum kommen. Die Lampen an den Brücken überstrahlen den Asphalt mit grellem Neonlicht. Erste Brücke grün. Zweite Brücke blau. Dann gelb. Dazu der irrwitzig blinkende, lichtzuckende, pulsierende TV-Turm der eigentlich Leuchtturm heißen sollte. Und die Brunnen, die so grell strahlen als gehörten sie zur Vorhut einer bevorstehenden UFO-Invasion. Im Hotel dann schnell Vorhänge zu, Licht aus. Schlafen.
Alles weitere aus Tiflis (und auch die Erklärung für das Lichtspektakel) bitte nachlesen - in Humanglobaler Zufall Volume 2.
Baden-Baden
Baden-Baden ist wie eine Ameise. Zum Beispiel die rote Waldameise: Gerne schultert sie andere Insekten mit einem Gewicht von 100 Milligramm - obwohl sie selbst nur zehn Milligramm wiegt. Baden-Baden schultert 800.000 Besucher jährlich, obgleich die Stadt selbst nur 55.000 Einwohner hat. Diese Besucher kommen nach Baden-Baden, um Galopprennen zu besuchen, oder Oldtimer-Meetings, um ihr Geld im Casino zu vermehren oder um, ja!, zu baden eben. Uns fehlte fürs Casino der Schlips, fürs Bad die Badehose und für beides die Zeit. Dennoch, für diese Eindrücke hat es gereicht: Skateboardfahren ist in der ganzen Innenstadt verboten, dafür gibt es in den Restaurants Seniorenteller; und als Reporter sollte man in Baden-Baden vorsichtig sein. Denn wer Stift, Block und dazu eine blaue Jacke trägt, wird in Baden-Baden schnell für etwas ganz Bedrohliches gehalten: eine (männliche) Politesse.
