Dennis Buchmann
Blogeinträge von Dennis Buchmann
Das Erstgeborene
Hurra!, Puh! - und Seufz! Also ein Zufriedenheits-Seufz. Denn es ist endlich geschafft, das erste Heft von Humanglobaler Zufall ist geboren. Anfang des Jahres haben wir den Zufall, unser wichtigstes Redaktionsmitglied, nach Geschichten gefragt. Und es ist schon faszinierend, was dabei herausgekommen ist. Der Entwicklungshelfer aus Ecuador führte uns über einen norddeutschen Fußballplatz zu einem indischen Fotografen und seinem globalen Lächeln und weiter zu dessen Kickbox-Freund in die USA und zu einer herzzerreißenden Geschichte, die sich um den Wirbelsturm Katrina dreht. Dann sind wir bei einem Freund in Costa Rica auf einer riesigen Zuckerrohr-Plantage gelandet, und während dort tropische Hitze die Menschen ins Meer trieb, wütete fast zeitgleich ein Schneesturm in Kanada, bei dem alten Schulfreund des Plantagen-Managers. Und der schickte uns zu einer alten Studienfreundin, die mit ihrem paraguayischen Mann in Baden-Baden auf ihre Auswanderung hinarbeitet. Dem Zufall sei Dank gibt´s Humanglobaler Zufall ab 21. April am Kiosk!
Finaler Stress
Puh!, in München ging es in der letzten Phase zur Produktion des ersten Heftes von Humanglobaler Zufall heiß her. Im Locht (Loch im Loft) von Mirko Borsche saßen wir zwei Wochen immer bis spät in die Nacht an den Seiten und schoben und korrigierten und schoben und korrigierten und warfen um und machten rückgängig. Jan-Eric Peters und Marc Thomas Spahl von der Axel-Springer-Akademie waren zusammen mit Verlagsleiter Oliver Graf nach München gekommen um dem Baby auf die Welt zu helfen. Schwere Geburt, aber das ist ja beim ersten Mal meistens so. Mit Mirko und seinen Jungs David, Johannes und Paul ließ sich der Streß gut in Form von gagaeskem Humor kanalisieren. Fußball war auch immer ganz gut, ob im Loft und in echt, oder im Stadion und im Fernsehen. Bei Deutschland-Schweiz hatte ich 3:0 getippt und bis zur 89. Minute war ich ein reicher Mann, wir hatten alle 5 Euro in den Topf geworfen. Und dann noch dieses elendige 4. Tor. Naja, jedenfalls haben wir alle ordentlich geschwitzt, nicht nur beim Fußball und eins ist klar: Der Teufel steckt sowas von im Detail, das ist unglaublich…. Aber jetzt ist es geschafft und die zweite Geburt ist dann hoffentlich nicht mehr ganz so kompliziert…
Hier bloggt die Aushilfe
Anruf am Montag morgen, Dennis am Apparat „Moooin, hast Du Zeit und Bock, bei mir ne Woche auszuhelfen und die zeitraubenden Kleinarbeiten zu erledigen… ab morgen?!?“ „Klar, warum nicht… hab eigentlich keine Zeit, weil ich meine Masterarbeit schreibe… aber die Zeit nehme ich mir dann einfach mal“ und nicht mal 24 Stunden später, sehe ich mich im 6ten Stock des Axel Springer Hauses sitzen, Schreibtisch an Schreibtisch mit dem Herrn Global Editor, den ich sonst eher als Kneipensportler kenne. Kickern und Arbeiten weisen aber Parallelen aus… der eine hat den undankbaren Job, die gegnerischen Bälle zu halten, während der andere durch versenken der Bälle brilliert und das Team zum Sieg verhelfen kann. Beim Kickern bin ich derjenige der hinten spielt und so ist es natürlich auch in dem Heimstadion … entschuldigung, Büro von Dennis auch. Die Rolle gefällt mir und werde also eine Woche lang versuchen, die Bälle nach vorne in den Lauf zu spielen. Es ist eigentlich Büroarbeit wie überall anders auch… okay, die Leute sind ein wenig schicker und die Kaffeeflatrate wird durch zusätzliches Obstangebot und einen gefüllten Kühlschrank aufgehübscht…. Dennoch gibt es weitere kleine aber feine Details, die zeigen, dies is mehr als ein schnöder Job zum Geldverdienen. Während in einem Ingenieurbüro die Superhits der 80er und 90er den Tag rauf und runtergedudelt werden und wenn man es noch nicht durch jahrelange Abhärtung gewohnt ist, sich die Frage stellt, ob das nicht in Ohrkrebs endet… nein, in der kleinen Oase im Springer Haus ist es nicht unüblich, dass der Fuß zu Pennywise wippt oder die Arbeit auf den Wellen zu dubby Sounds locker leichtfüßich von der Hand geht… es ist aber auch einfach nicht genügend Zeit da, um sich über schlechte Musik oder schlechten Kaffee aufzuregen… Der Global Editor ist immer in Action und man sieht, dass der ehemalige Kneipensportkollege auch am Schreibtisch eine gute Figur macht…. Mit dem selben Elan, mit dem selben Grinsen und der selben Souveränität wie in so mancher Spelunke… und man sieht die selben Gesichtsausdrücke, wenn Leute kommen und sich über ein schönes Spiel am (Schreib-)tisch gefreut haben oder wenn sie mal wieder souverän und entspannt ausgetänzelt wurden und mit gesenkten Kopf vom Tisch gehen müssen. So wünscht sich jede Sekretärin einen Chef, der die Bälle nicht vertendelt und jeder Torwart einen Stürmer, der die Spiele souverän nach Hause bringt! Herr Global Editor, rufen sich mich immer wieder an, wenn der Kasten saubergehalten werden muss… es war mir eine Freude !
You have been selected!
Ich schreib nur wie es ist: Als ich mein Journalistenvisum beantragt habe, musste ich zum Konsulat in der Clayallee in Berlin. In den imposanten Zaun war ein Kabuff eingebaut, auf der einen Seite des Zaunes ging die Tür rein, Sicherheitscheck, auf der anderen Seite wieder raus und rein ins Konsulat.
Ich kam an und musste am Fuße der Treppe warten, bis ich hochgerufen wurde und der Sicherheitsmann die erste Tür per Summer öffnete. Weit kam ich nicht, denn ich hatte das Kleingedruckte überlesen und einen Rucksack dabei. “Verboten”, sagte der andere Sicherheitsmann, der eine Frau war. “OK, dann lass ich den so lange hier liegen?” Na, also, das geht ja sowas von gar nicht, “big brother is watching you, me and my job”, sagte die Frau und zeigte auf allerlei Kameras. “Aber lassen sie mich ihnen einen Tip geben: an der Currywurstbude an der U-Bahnstation könnte ich den Rucksack vielleicht abgeben”.
Die Die Curry-Wurst-Frau war knorke, wusste natürlich sofort um was es ging, schließlich war ich nicht der erste Taschen-Verpeiler.
Zurück am Check wird meine Jacke gescannt. “Ach, ein mp3-Player?” Nein, also das geht auch nicht. Im Hintergrund sehe ich kleine Schließfächer, geradezu gemacht für kleine mp3-Player. “Nein, das geht wirklich nicht, da verliere ich meinen Job.” Gut, dann geh ich kurz raus und schmeiss den mp3-Player ins Gebüsch und hol ihn nachher wieder da raus, zur U-Bahn-Station ist´s ja schon ein bisschen weit. “Tja, wenn sie Lust haben, dass ein Bombenräumkommando kommt und den mp3-Player entschärft… Das kostet einige tausend Euro, so ein Bombenräumkommando…” Also bin ich noch einmal zur Currywurstbude gelaufen.
Als ich drin war, habe ich den Dokumenten Pre-Check bestanden und konnte bald zum Dokumenten-Eigentlich-Check. Dann wurden mir alle zehn Fingerabdrücke genommen, die Frau an dem Lesegerät war begeistert: “Wow! sehr schöne Fingerabdrücke, wirklich toll!” Das alles passierte in einem Raum, ähnlich wie beim Amt, viele Wartestühle und fünf Schalter. Erster Schalter Dokumenten-Check, zweiter Schalter Finger-Check. Ich setzte mich wieder hin und wurde nach wenigen Minuten in diesem gleichen Raum zum dritten Schalter zum Interview gerufen. Dass ich beim Humanglobalen Zufall arbeite ließ der Interviewer durchgehen, aber wichtiger schien die Frage, ob ich wirklich ich bin. Und so wählte er per Zufallsgenerator einen Finger aus und checkte gegen, ob ich nicht in drei Minuten im gleichen Raum, in dem ich die Fingerabdrücke und meinen Pass abgegeben habe, unter 30 Augenpaaren und big brother meine Identität gewechselt habe. Habe ich nicht, ich hab das Visum bekommen. … weiterlesen
Aussergewöhnlich normal
Ich bin gerade in den USA, auf der AAAS-Konferenz in Boston, einer sehr grossen Tagung zur aktuellen Lage in der Wissenschaft. Dafür bedanke ich mich ganz unverblümt und herzlich bei der Robert-Bosch-Stiftung.
Die US-Amerikaner, im folgenden kurz Amis genannt, sind schon dufte Typen, allerdings sehr normal. Zumindest die auf der Konferenz hier. Sie sind so aussergewöhnlich normal, dass ein europäisches Gehirn bei Palavern gern mal in eine Art Lethargie verfällt, in eine Art Energiesparmodus. Inhaltlich ist zwar alles gut, aber charakterlich kommt nicht viel rüber, ausser Freundlichkeit und Nettigkeit und gutes Benehmen. Das lähmt etwas. Provokationen prallen nicht ab, sie werden in einem Pudding aus Freundlichkeit absorbiert. Aber wir sind hier ja auch nicht, um Freunde zu finden, sondern um Networking zu machen. Und das bedarf des Smalltalks, und in dieser Disziplin sind die Amis einfach unschlagbar. Auf den Konferenz-Partys schnacken sie beneidenswert hemmungslos wildfremde Leute an. Wie in einer brownschen Molekularbewegung treiben Sie so durch den Raum, prallen aneinander, reden kurz, tauschen Visitenkarten aus, treiben weiter, ganz unverbindlich. Dabei sind sie auf eine sehr professionelle Art und Weise normal. Ich schätze, das ist eine Buisiness-Normalität, die auch in anderen Ländern bei Meetings und Konferenzen vorherrscht. Also nix gegen die Amis. … weiterlesen
Polternde Frische
“New Orleans ist schräg, aber schön”, sagte mir einer im Lower 9th Ward. Dieses Viertel hatte der Hurrikan Katrina vor zwei Jahren nicht nur zerstört, sondern schlicht ausgelöscht. Bis auf die grauen Betonfundamente ist nichts mehr übrig. Schön ist das nicht, aber der junge Mann meinte wohl eher die Innenstadt und ihren Flair. Dort steppt der Jazz-Bär. New Orleans liegt im Bundesstaat Louisiana. Und der wird mit LA abgekürzt. Deshalb wiederum nennen die Leute in und um New Orleans ihre Stadt immer nur Nola.
Im French Quarter, dem Touristenmagneten, klappern Touri-Pferdekutschen durch die Gegend, und täglich gibt es Live-Jazz bis die Ohren bluten. Doch obwohl der ganze Zirkus auch kommerzgebeutelt ist, bleibt Nola frisch. Denn die Künstler bewahren die Stadt vor der amerikanischen Spießer-Lethargie. Es laufen Punks umher, und in ollen Lagerhallen dengeln die jungen Leute an ihren Skulpturen aus Müll: Trash-Art. Obwohl sich natürlich auch längst Pseudo-Popper-Punks rumtreiben, bleibt Nola authentisch. Kurz davor war ich in Boston, die Stadt ist sauber, geradeaus und bestimmt ein angenehmes Pflaster für Rentner: Schön und nicht anstrengend. In Nola dagegen ist das Leben herzhafter. Der allgemeine Rotz poltert durch die Hirnwindungen, das ist schon anstrengender als das ölige Boston. Aber dadurch ist es auch irrationaler und deshalb lebendiger.
Im Lower 9th Ward ist es aber noch ziemlich tot. Die Flut, die Katrina gebracht hat, spülte mit den Häusern auch die Bewohner weg. Die Helfer der Nicht-Regierungs-Organisation Common Ground Relief bauen hier Stück für Stück die Häuser wieder auf. Doch Häuser ohne Bewohner machen auch keinen Spaß, also besteht der wichtigste Teil der Arbeit darin, die Geflüchteten zu überreden, wieder nach Hause zu kommen. Das ist auch Robert Greens Mission. Der 52-Jährige telefoniert, bis die Ohren glühen. Über 200 Kontakte von seinen ehemaligen Nachbarn hat er gesammelt, doch bislang steht er noch allein auf weiter Flur, in seinem weißen Wohnwagen, den er wie alle Katrina-Opfer von der US-Regierung gestellt bekommen hat. Green hat den kompletten Horror durchgemacht. Als Katrina kam, flüchtete er mit seiner sechsköpfigen Familie auf sein Hausdach und während sie samt Haus umhertrieben, verlor er seine dreijährige Enkelin in den Fluten, keine Stunde später starb seine Mutter.
Dass die Regierung es nicht hinkriegt, den Opfern zu helfen, macht beim Anblick des lower 9th Ward einfach nur sprachlos. Die Demokraten von Louisiana verstehen sich nicht so gut mit der republikanischen Bush-Regierung. Green prangert auf einem Schild vor seinem Wohnwagen an: “Mr. Bush, bauen Sie New Orleans wieder auf, nicht Irak”. Ein freiwilliger von Common Ground, er heißt Will, braucht für seine Kritik keine Worte: Auf seinem T-Shirt ist Bush mit blutigen Vampirzähnen am Hals der Freiheitsstatue zu sehen …
Endlich: Gegrilltes Meerschweinchen
Ecuador ist ein gutes Land. Ich hab zwar nur das Dorf Mindo gesehen und ein wenig die Hauptstadt Quito, aber alle Ecuadorianer, die ich getroffen habe, waren freundliche, dezente und sehr angenehme Menschen. Kein penetrantes Gebettel, niemand wollte uns ungefragt etwas verkaufen.
In Mindo, dort, wo die erste Geschichte des ersten Heftes von Humanglobaler Zufall spielt, gab es einen interessanten Kontrast der Lebendigkeit. Wir kamen zum Karneval-Wochenende, die Touristen verstopften das 2500-Seelen-Dorf, überall war was los: Den reißenden Fluss ritten sie kreischend auf zusammengebunden Treckerreifen hinab (Tubing), über die Urwaldschluchten flogen sie, ebenfalls kreischend, an gespannten Drahtseile entlang (Canopy). Und als die Touristen am Montag das Dorf verlassen hatten, feierten die Mindenos auf ihre Art, touristenuntauglich. Mit Wasser fing alles an. Jeder wurde nass gemacht, dann kamen Mehl und Eier hinzu, einmassiert in die Haare. Ein astreiner Brotteig, der jedem Shampoo noch tagelang stand hielt. Ins Gesicht bekamen wir Achiote geschmiert, eine Frucht, die herrlich rot färbt, waschecht. Der Mob zog durch die Straßen und hat jeden verwüstet, der ihnen in die Quere kam. Und als keiner mehr kam, sind sie von Haus zu Haus gezogen und haben die Leute, auch Kommunalpolitiker, aus ihren Häusern gezogen und eingeschmiert. Bis das ganze Dorf aussah wie Schwein und die Sonne untergegangen ist. Klatschnass und eingeteigt tanzte das Dorf dann noch bis in die Nacht auf Mindos Straßen. Die waren dann bis zum nächsten Wochenende wieder wie ausgestorben, nur hier und da schlich ein Köter um die Häuser. Die Köter wurden beim Karneval übrigens auch nicht verschont, aber sie nahmen die Sache praktisch und leckten hinter dem Mob die Straßen sauber: lecker Mehlwasser und verkleckertes Ei.
In Quito gab es dann auch eine ecuadorianische Spezialität, die vor allem im Hochland verbreitet ist: Gegrilltes Meerschweinchen (Cuy). Viel ist nicht dran, die Haut ist wie aus dickem Gummi, aber an die Schenkelchen waren recht lecker. Und am Rücken, da sind sie besonders zart…
Aus Mindo, Ecuador: Noch kein gegrilltes Meerschweinchen
Nach drei Tagen hatten wir das erste Mal Strom. Die Telekom-Firma Movistar hatte einen Funkmast an einer Stelle aufgestellt, wo es ihr verboten war. Ein paar Schmiergelder machten es möglich, aber dummerweise ist der Mast umgefallen, auf eine Stromleitung. Kein Strom in Mindo (wo ich bin, 2 Autostunden von der Hauptstadt Quito entfernt) und 20 km drum herum. Und Movistar musste für jede Stunde ohne Strom Strafe zahlen.
Der Regen ist moderat. Nachts schüttet es ganz gut und tagsüber dampfen die Modderwege. Gummistiefel sind was Feines, aber bei längerem Marsch unbequem. Längerer Marsch etwa zum großen Wasserfall. Fotos gibt es später, die Computer hier wollen das Handy nicht erkennen.
In Salem, dem Haus wo die Kinder versorgt werden, ist Bombenstimmung. Die Kiddies sitzen mir zu dritt im Nacken und zeigen auf die Worte Mindo und Movistar, die sie erkennen, und sie fragen, warum ich das schreibe, aber mein Spanisch ist ein Krüppel von Erklärung. Gerade räumen sie den Frühstückstisch ab, alle sind aufgeregt, weil wir heute Canopy machen. Das ist eine Touristenattraktion hier: an Drahtseilen über die Regenwaldschluchten gleiten. Heute ist es für alle Mindenos umsonst. Touris sind eh nicht da, die kommen nur am Wochenende ins 2400-Einwohner-Dorf-Mindo.
Insekten sind auch immer ein hübsches Thema in diesen Breiten. Am ersten Tag dachte ich: „Oh, was macht denn die Amsel hier im Zimmer?!“ Es war einer von diesen 30-Zentimeter-Faltern, die laut flatternd um die Lichter fliegen. Im Dorf kam eine Heuschrecke vorbei, so groß, dass die Leute ihre Kinder ins Haus holten. Aber zumindest im Hause Salem gibt es Che Guebaba, (neben Krimhild und Brunhild und Mietzi eine der vier Katzen), die Kakerlaken und Riesenfalter gnadenlos jagt und frisst, selbst die Falter mit den staubigen Flügeln. Nachts legt sie sich dann zu mir ins Bett, das kleine Mietzekätzchen, dem es nicht um Sympathie, sondern um das Abgreifen von Wärme geht. Mückenattacken halten sich in Grenzen.
Das Volk insgesamt ist sehr entspannt. Alle wandeln mit positiver Aura umher, naja, einige sind Alkoholiker, aber insgesamt sind alle sehr freundlich. Selbst mit roten Haaren werde ich nicht angestarrt oder von der Seite angequatscht, sehr angenehm.
Morgen geht´s zurück, erst nach Quito und dann übermorgen früh nach Deutschland. Gebratene Meerschweinchen gibt´s in Mindo nicht, vielleicht kann ich in Quito eins abgreifen…
Streng geheim!
Als ich den Scoop gewonnen hatte, durfte ich mich eigentlich nur heimlich freuen. Denn ich hatte unterschrieben, dass ich es keinem weitersage. Doch schon ein paar Tage später kam ich auf der Kneipen-Feier einer Freundin in die Bredullje. Viele gute Leute waren da, die ich lange nicht gesehen hatte: “Wie geht´s?”. “Sehr gut”, sagte ich und eine Freundin von der Journalistenschule wollte es genau wissen.
Ja, naja, ein neuer Job, ich dürfe nicht drüber reden, sagte ich. Dummer Fehler, jetzt ließ sie natürlich nicht locker und so erzählte ich ihr, dass ich der neue Pressesprecher von Greenpeace Deutschland werden würde. Das schluckte sie ohne zu zweifeln: “Ach, ist ja interessant, ich hab letztens noch mit dem jetzigen Pressesprecher gesprochen, der ist doch ganz kompetent?!”
Sie fragte nach, was das Zeug hält: Wieso, ab wann, wie war die Bewerbung und es ging immer tiefer in den Detaildschungel, in dem ich mich bald verirrt hatte. Schwitzend versuchte ich immer wieder das Gespräch zu beenden, aber sie ließ nicht locker, arbeitete sie doch für die Medienseite des Tagesspiegel und das wär doch ein Thema.
Nicht dass die Gute das als Gerücht verbreitet! Also sagte ich ihr, dass es Schmu wär, die Wahrheit aber wirklich geheim ist. “Ich erzähl´s ja auch nicht weiter!”, versprach sie, doch einer Medien-Seiten-Redakteurin die Sache zu erzählen, schien mir zu heikel. Nach dem zwanzigsten “Nu erzähl doch mal” und dem dritten Bier, fiel mir folgende Lösung ein: Ich ließ sie unterschreiben, dass sie mir eine lebenslange Rente zahlen muss, falls sie plaudert. Hier das Original-Dokument:

