Blogeinträge von

Max Graef, Kamerun

In Nkambe, einem Dorf im Nordwesten von Kamerun, wussten die Menschen bis vor zwei Jahren nicht, was um sie herum geschieht: Was passiert in der Hauptstadt? Welche Partei unterstützt welche Programme?

Luke Dowdney, London

Luke tritt den Jugendlichen in den Arsch. North Woolwich ist eines der trostlosesten Viertel von London, es gibt zwei Pubs, wo die Mädels ab elf Uhr morgens strippen und sonst?

MC Gringo, Rio de Janeiro

Alles beginnt mit Bernhard Weber aus dem Schwabenland. Das war einmal, heute nennen ihn alle nur noch MC Gringo, heute wohnt er in einer Favela in Rio de Janeiro und ist ein Star des Baile Funk.

Was wird gehen? - Zukunftsforscher CD Jia

CD Jia kam vor anderthalb Jahren nach Schanghai um als Zukunftsforscher für deutsche Firmen zu arbeiten.

Süchtig nach Projekten - Falk Spörrie

Nach dem Zusammenbruch der Sowjet-Union gingen zehntausende Georgier gen Westen, um dort ihr Glück zu suchen. Der Schweizer Falk Spörrie hat es anders herum gemacht.

Ein Leben, zwei Länder, viele Geschichten - Gunda Bay

Weil Carmen einst ihre Tasche nach der Tanzstunde vergessen hat, erzählt Gunda Bay in Vol. 2 von Humanglobaler Zufall, wie sie die Flüchtlingslager

Malen gegen das Leiden - Carmen Santana

Abends lässt sie es raus: Carmen Santana tanzt sich den Kopf mit Samba frei. Denn Carmen arbeitet mit Flüchtlingen und deren Schicksale sind keine leichte Kost.

Alltags- Globetrotter - Paul Nordstrom August

In Paris flaniert ein Mann durch sein niedliches Stadtviertel. Er heißt Paul Nordstrom August, ist 49 Jahre alt und sucht Nestwärme.

9000-Kilometer- Fernbeziehung - Akemi Doto

Eine Fernbeziehung in Zeiten der Globalisierung: Akemi lebt auf Hokkaido, der Wellness-Oase Japans, die ganz anders ist als die Ballungsräume auf den anderen drei Hauptinseln

Im Herzen von Münster…

Von Tobias Romberg, formerly Schreiter, Münster.

Im Herzen von Münster, am historischen Prinzipalmarkt, feiern die Westfalen gerade Weiberfastnacht und ein Kardiologe behandelt einen jungen Mann, den er zwei Jahre nicht gesehen hat. Der junge Mann ist Journalist, hatte vor fünf Jahren mal eine Herzmuskelentzündung, die vollständig auskuriert ist, und lässt sich regelmäßig untersuchen, auch weil seine fürsorgliche Mutter ihm stets in den Ohren liegt. Schließlich habe er schon genug Raubbau mit seinem Körper getrieben, so die Meinung der Frau Mama aus dem Rheinland.

Der Kardiologe und der Journalist pflegen ein herzliches Verhältnis. Die Pumpe ist gesund, die Laune gut. Man spricht über Münster - dort wohnt der Kardiologe, studierte einst der Journalist. Und über Osnabrück - dort lebte der Kardiologe acht Jahre, wohnt heut der Journalist. „Sie können ihrer Mutter sagen, dass alles in Ordnung ist“, resümiert der Kardiologe, der die Mutter nicht kennt, wohl aber die mütterliche Sorge.

Am nächsten Tag hält ein Intercity in Münster. Nicht allzu ungewöhnlich. In einem Abteil sitzen zwei Schwestern, 61 und 58 Jahre alt. Die jüngere kommt aus dem Rheinland. Kiel ist das Ziel, ruhige Tage an der Ostsee. Der Kardiologe und seine Frau steigen zu. Bei den beiden Schwestern sind noch zwei Plätze frei. „Dürfen wir?“ „Aber bitte.“

Die Deutsche Bahn ist mitunter teuer, oft verspätet und Small-Talk-Areal Nummer Eins. So beginnen auch die Schwestern und der Kardiologe nebst Frau: Wo man denn hinfahre und wo man eigentlich herkomme. „Ach, Sie kommen aus Münster? - Da hat mein Sohn studiert. Gestern war er noch mal dort. Schöne Stadt“, sagt die jüngere Schwester, und: „Jetzt lebt er in Osnabrück.“ „Ach Osnabrück“, sagt der Kardiologe, „das ist ja lustig, da haben wir lange gelebt.“ Später die jüngere Schwester: „Mein Sohn Tobias ist Journalist.“ Der Kardiologe: „Heißt ihr Sohn mit Nachnamen Schreiter, dann war er gestern bei mir.“ Großes Erstaunen: the next Uri Geller? Ein Mentalist aus Münster?“ Es folgt die Erklärung, Gelächter, Heiterkeit.

In Hamburg verabschieden sich Kardiologe und Frau. Die jüngere Schwester greift zum Handy und schreibt eine SMS an den Sohn: „Ich habe gerade Deinen Kardiologen getroffen. Im Zug. Der ist ja super nett.“ Der Journalist ist irritiert.